15.09.2020, 04:49 Uhr

Sacramento (AFP) Trump leugnet bei Besuch in Brandgebieten erneut den Klimawandel


Herausforderer Biden bezeichnet US-Präsidenten als "Klima-Brandstifter"

US-Präsident Donald Trump hat bei einem Besuch der Waldbrandgebiete in Kalifornien erneut den Klimawandel geleugnet. "Es wird wieder kühler werden. Sie werden schon sehen", sagte Trump am Montag über das Erdklima. Der Leiter der kalifornischen Behörde für natürliche Ressourcen, Wade Crowfoot, erwiderte: "Ich wünschte, die Wissenschaft würde Ihnen zustimmen." Der oppositionelle Präsidentschaftskandidat Joe Biden bezeichnete Trump als "Klima-Brandstifter".

Nach übereinstimmender Meinung vieler Wissenschaftler ist für die seit Jahren in ihren Dimensionen immer weiter zunehmenden Wald- und Buschbrände im Westen der USA die Erwärmung des Erdklimas mitverantwortlich. Der Klimawandel führt demnach zu zunehmender Trockenheit in der Natur, wodurch die rasche Ausbreitung der Flammen begünstigt wird.

Trump machte für die gewaltigen Brände, die neben Kalifornien auch in den nordwestlichen Bundesstaaten Oregon und Washington wüten, in einer Besprechung mit Einsatzkräften und Behördenvertretern erneut eine unzureichende Pflege der Wälder in den betroffenen Bundesstaaten verantwortlich. Diese werden von Gouverneuren der Demokratischen Partei regiert - in der Hauptstadt Washington bilden die Demokraten die Opposition zur Trump-Regierung.

"Es muss starke Waldbewirtschaftung geben", forderte der Präsident. Umgestürzte Bäume würden schon nach kurzer Zeit sehr trocken. "Sie werden wirklich wie ein Streichholz. Sie explodieren einfach", sagte Trump. Ähnlich hatte er sich schon in der Vergangenheit zur Ursache der Wald- und Buschbrände an der Westküste geäußert.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Biden wies Trump eine Mitverantwortung für die Brände zu, weil dieser den Klimawandel leugne. "Wenn ein Klima-Brandstifter vier weitere Jahre im Weißen Haus bekommt, wird sich niemand wundern, wenn noch mehr von Amerika in Flammen steht", sagte Biden in einer Rede in seinem Heimatstaat Delaware.

Biden will im Fall seines Sieges bei der Wahl am 3. November den Kampf gegen den Klimawandel zu einem der Schwerpunkte seiner Präsidentschaft machen. "Wir brauchen einen Präsidenten, der die Wissenschaft respektiert, der versteht, dass die Zerstörung durch den Klimawandel schon da ist", forderte der frühere Vizepräsident.

Trump, der für eine zweite Amtszeit kandidiert, hat hingegen den Ausstieg der USA aus dem globalen Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 eingeleitet. Er setzt in seiner Energiepolitik auf Öl, Gas und Kohle.

Auch der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom hielt Trump am Montag entgegen, der Klimawandel sei "real" und verschärfe das Problem der Brände. Newsom räumte zwar Verbesserungsbedarf in der Forstwirtschaft ein, brachte die Feuer aber direkt mit dem Klimawandel in Verbindung: "Die Hitzewellen werden immer heißer, die Dürren immer trockener."

Der Gouverneur von Washington, Jay Inslee, appellierte an die Wähler, einen "Klima-Präsidenten" ins Weiße Haus zu bringen. Die Brand-Krise erfordere "Handeln, nicht Leugnung", schrieb Inslee im Internetdienst Twitter.

Durch die gewaltigen Flammenmeere in Kalifornien, Oregon und Washington sind seit Beginn dieses Sommers bereits mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen, davon allein 27 in der vergangenen Woche. Dutzende weitere Menschen werden vermisst. Mehr als 30.000 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen, die bereits rund zwei Millionen Hektar Land verwüstet und tausende Häuser zerstört haben.


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