15.09.2020, 00:11 Uhr

Berlin (AFP) UNHCR fordert umgehende deutsche Hilfe für Flüchtlinge aus Moria

Merkel strebt Entscheidung über Aufnahme bis Mittwoch an

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) fordert von Deutschland und der EU eine umgehende Lösung für die Menschen aus dem abgebrannten griechischen Lager Moria. Die derzeitigen Zustände auf der Insel Lesbos seien "eine humanitäre Notlage, die ein schnelles und unverzügliches Handeln der europäischen Staaten gemeinsam mit Griechenland erfordern", sagte der UNHCR-Vertreter in Deutschland, Frank Remus, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstagsausgaben).

Er betonte, nach Jahren des Scheiterns einer gemeinsamen europäischen Flüchtlingspolitik stünden die EU-Staaten jetzt in der Pflicht, "den Menschen auf Lesbos sofort zu helfen und langfristig die Chance zu nutzen, gesamteuropäische Lösungen zu finden". Der UNHCR-Vertreter bezeichnete die Zustände in dem früheren Lager Moria auf Lesbos, das völlig überfüllt gewesen war, als "Schande für Europa" und "unvereinbar mit den europäischen Werten".

Remus begrüßte aber, dass es engagierte Länder gebe, die an Lösungen für die Lage auf Lesbos mitwirken wollten - dabei nannte er an erster Stelle Deutschland. Die von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) angekündigte Aufnahme von etwa 150 minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen begrüßte der UNHCR-Vertreter als "Zeichen, dass Deutschland Verantwortung in dieser wichtigen Frage übernimmt".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) strebt nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP bis Mittwoch eine Entscheidung über die Aufnahme weiterer Flüchtlinge aus dem zerstörten Lager an. Entsprechend äußerte sie sich demnach am Montag in einer Sitzung des CDU-Vorstands. Mit Seehofer habe sie bereits entsprechende Gespräche begonnen, sagte Merkel diesen Informationen zufolge. Die Bundesregierung wolle aber zugleich weiter eine europäische Lösung suchen und Griechenland unterstützen.

Griechenlands größtes Flüchtlingslager war in der vergangenen Woche durch mehrere Brände fast vollständig zerstört worden. Rund 11.500 Menschen wurden obdachlos, darunter 4000 Kinder. Tausende ehemalige Lagerbewohner, darunter auch Schwangere und Familien mit kleinen Kindern, harren seitdem im Freien aus. Viele sind inzwischen völlig erschöpft, hungrig und durstig.


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