12.09.2020, 23:30 Uhr

Minsk (AFP) Dutzende Festnahmen bei Frauen-Protestzug gegen belarussischen Staatschef Lukaschenko

Schwarz maskierte Sicherheitskräfte gehen gewaltsam auf Teilnehmerinnen los

Mit aller Härte sind belarussische Sicherheitskräfte gegen friedlich protestierende Frauen vorgegangen und haben mehrere Dutzend von ihnen festgenommen. Schwarz maskierte Sicherheitskräfte gingen am Samstag gewaltsam auf die Regierungsgegnerinnen in der Hauptstadt Minsk los, wie Aufnahmen des oppositionellen Senders Belsat TV und des unabhängigen Nachrichtenportals Tut.by zeigten. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) rief zur Unterstützung der Menschen auf, die in Belarus gegen Staatschef Alexander Lukaschenko auf die Straße gehen.

Bei den Protesten mit tausenden Teilnehmerinnen wurden mehrere Demonstrantinnen von Sicherheitskräften grob in Kleinbusse gestoßen, wie weitere Videoaufnahmen zeigten. Einige Frauen drängten die Sicherheitskräfte zurück und versuchten, ihnen die Masken vom Gesicht zu reißen.

Die Sprecherin des belarussischen Innenministeriums, Olga Tschemodanowa, bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, dass mehrere Frauen festgenommen worden seien. Zu der Zahl der Festgenommenen und den Gründen machte sie keine Angaben. Laut der Bürgerrechtsgruppe Wiasna wurden mehr als 40 Menschen festgenommen.

Die Demonstrantinnen hatten friedlich gegen den umstrittenen Staatschef Alexander Lukaschenko demonstriert, einige Teilnehmerinnen schlugen mit Löffeln auf Töpfe, um ihrer Kritik Nachdruck zu verleihen. Mit Sprechchören wie "Bringt unsere Mascha zurück" demonstrierten sie außerdem für die Freilassung der Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa. Die 38-Jährige war in der Nacht zum Dienstag festgenommen worden, nachdem sie sich ihrer erzwungenen Ausreise in die Ukraine durch das Zerreißen ihres Passes widersetzt hatte.

Die Frauen-Demo am Samstag ging einer für Sonntag geplanten Großkundgebung gegen Lukaschenko voraus. Seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl am 9. August sieht sich Lukaschenko mit Massenprotesten konfrontiert. Hunderttausende Belarussen gehen regelmäßig gegen den seit 26 Jahren mit eiserner Hand regierenden Präsidenten auf die Straße, werfen ihm Wahlfälschung vor und fordern Neuwahlen. Insbesondere sonntags beteiligen sich zahlreiche Menschen an den Protesten.

"Die vielen friedlichen Demonstranten und vor allem Demonstrantinnen beweisen tagtäglich, dass eine Lösung auf dem Gesprächsweg noch immer möglich ist", sagte Außenminister Maas den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Angesichts der "massiven Unterdrückung so viel Haltung, Mut und Würde zu zeigen", verdiene allergrößten Respekt. Jetzt komme es darauf an, dass "wir die Menschen in Belarus nicht alleine lassen", betonte der SPD-Politiker. Lukaschenko wähle den Weg der Isolation, wenn er seine Herrschaft weiter auf Angst gründe.


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