12.09.2020, 01:25 Uhr

Los Angeles (AFP) 16 Todesopfer und 500.000 Menschen auf der Flucht vor den Flammen


Verzweifelter Kampf an US-Westküste gegen größte Brände seit Menschengedenken

Bei den größten Bränden an der US-Westküste seit Menschengedenken sind mindestens 16 Menschen gestorben, mehr als 500.000 Bewohner betroffener Gebiete mussten ihre Häuser verlassen. Die wirkliche Zahl der Opfer sowie das Ausmaß der Schäden blieben am Freitag buchstäblich in Rauch gehüllt, viele Ortschaften in den Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Washington waren durch gigantische Feuerwände von der Außenwelt abgeschnitten. Begünstigt wurden die Flammen durch starke Winde und eine Hitzewelle. Etwas Hoffnung bietet eine heranziehende Wetterfront mit kühleren Temperaturen.

Allein in der Region von Butte im Norden von Kalifornien wurden seit Beginn der Woche zehn Todesopfer entdeckt. Insgesamt starben in den Bränden entlang der Westküste nach Angaben der Behörden mindestens 16 Menschen. Unter ihnen war ein einjähriger Junge, dessen Eltern mit ihm auf der Flucht vor einem gigantischen Feuer östlich von Seattle waren. Seine Eltern erlitten schwere Verbrennungen. Die Behörden warnten, dass weitere Todesopfer zu befürchten seien.

In Oregon mussten auf Anweisung der Behörden eine halbe Million Menschen ihre Häuser verlassen und sich so vor den Feuern in Sicherheit bringen. Im Kampf gegen die Flammen gehe es nun" vor allem darum, Menschenleben zu retten", erklärte die Feuerwehr des Bundesstaates. Allein in Oregon brennt es derzeit auf mehr als 3600 Quadratkilometern, einer Fläche von der Größe Mallorcas. Bereits fünf Städte wurden weitgehend zerstört.

Nach Angaben von Gouverneurin Kate Brown ging innerhalb von 72 Stunden zweimal so viel Land in Flammen auf wie durchschnittlich innerhalb eines Jahres. "Wir haben noch nie so viele unkontrollierte Brände in unserem Bundesstaat erlebt."

In der Stadt Molalla ging die Polizei von Tür zu Tür, um sicher zu gehen, dass die Bewohner ihre Häuser verließen. "Es ist furchtbar, das ist mein Zuhause", sagte Denise Pentz, die seit elf Jahren in der Stadt wohnt, während sie die Sachen ihrer Familie in einen Wohnwagen lud. "Es ist eine Sache, wenn man aus seinem Haus auszieht. Es ist etwas ganz anderes, wenn man gesagt bekommt, dass man es verlassen muss." Aber wichtiger seien letztlich ihre Babys, ihr Mann und die Haustiere - "und dass alle meine Nachbarn sicher rausgekommen sind".

In Kalifornien wiederum verbrannten bis Freitagmorgen mehr als zehntausend Quadratkilometer Land. Am Donnerstag hatten sich mehrere Brände zum größten Wald- und Buschfeuer zusammengeschlossen, das der Bundesstaat jemals gesehen hat. Hohe Temperaturen und trockener Wind fachen den Brand an, der auf einer Fläche von fast 2000 Quadratkilometern wütete.

Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom machte den betroffenen Menschen sowie den 20.000 im Einsatz befindlichen Feuerwehrkräften an der Westküste Hoffnung, da das Wetter "zu kooperieren" beginne. Vorausgesagt werden nachlassender Wind sowie etwas Regen in den kommenden Tagen.

Kalifornien, Oregon und Washington kämpfen seit dem vergangenen Wochenende mit den sich schnell ausbreitenden Waldbränden, die von einer beispiellosen Hitzewelle und trockenen Winden verstärkt werden. Busch- und Waldbrände haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen, wofür Experten die Erderwärmung mitverantwortlich machen. Beim bisher folgenschwersten Waldbrand der kalifornischen Geschichte waren im November 2018 in Norden des Bundesstaats 86 Menschen ums Leben gekommen.


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