11.09.2020, 17:17 Uhr

Kabul (AFP) Afghanische Regierung und Taliban beginnen am Samstag Friedensgespräche

Friedensgespräche beginnen am Samstag.
Quelle: AFP/WAKIL KOHSAR (Foto: AFP/WAKIL KOHSAR)Friedensgespräche beginnen am Samstag. Quelle: AFP/WAKIL KOHSAR (Foto: AFP/WAKIL KOHSAR)

Experten rechnen mit langwierigen Verhandlungen mit ungewissem Ausgang

Die lange erwarteten Friedensgespräche zwischen der afghanischen Regierung und den radikalislamischen Taliban sollen an diesem Wochenende beginnen. Sechs Monate später als geplant sollen die Verhandlungen am Samstag in Katar starten, wie die Unterhändler beider Seiten bekanntgaben. US-Außenminister Mike Pompeo, der am Auftakt der Gespräche teilnehmen wird, traf am Freitag in Doha ein. Vor seinem Abflug hatte er erklärt, die Konfliktparteien dürften die "historische Gelegenheit" zur Beendigung des Krieges in Afghanistan nicht versäumen.

Die von den USA unterstützten Verhandlungen sind ein Meilenstein in dem 19-jährigen Konflikt. US-Präsident Donald Trump sagte auf einer Pressekonferenz, sein Außenminister sei auf einer "historischen Reise". Pompeo forderte von den Verhandlungsführern, "den Pragmatismus, die Zurückhaltung und die Flexibilität zu zeigen, die notwendig sind, um diesen Prozess zu einem Erfolg zu machen".

Die Afghanistan-Expertin Vanda Felbab-Brown vom Brookings-Institut in Washington sagte, die Verhandlungen könnten sich über Jahre hinziehen "mit vielen Pausen und Unterbrechungen, manchmal für Monate, während die Kämpfe weitergehen".

Bis zu einem Friedensschluss müssen viele Kompromisse gefunden werden. Die Taliban, die bisher die Regierung von Aschraf Ghani nicht anerkannt haben, wollen aus dem Land ein islamisches "Emirat" machen. Die Ghani-Regierung möchte den Status Quo einer konstitutionellen Republik mit festgeschriebenen Grundrechten und Freiheiten, etwa für Frauen, aufrechterhalten.

Die Taliban haben bisher nur vage Zusagen gemacht, etwa Frauenrechte durch "islamische Werte" schützen zu wollen. Viele Afghanen fürchten bei einer Rückkehr der radikalislamischen Gruppe an die Macht auch eine Rückkehr von deren Politik - etwa von drakonischen Strafen wie der Hinrichtung von Frauen wegen Ehebruchs.

Die Taliban, die Afghanistan zwischen 1996 und 2001 bis zum Einmarsch der USA nach den Terroranschlägen vom 11. September beherrschten, gehen gestärkt in die Verhandlungen. Einen Vertrag mit der US-Regierung über den schrittweisen Abzug der US-Streitkräfte bis Anfang des kommenden Jahres hatten sie als Sieg gefeiert. Als Gegenleistung hatten sie Sicherheitsgarantien gegeben, die Kritiker als vage bezeichneten.

Die Gespräche waren ursprünglich bereits für März geplant gewesen. Fortgesetzte Kämpfe und Streitigkeiten über die Freilassung von Gefangenen hatten jedoch den Beginn der Verhandlungen verzögert. Die afghanische Regierung hatte den Forderungen der Taliban schließlich nachgegeben und auch als besonders gefährlich eingestufte Taliban-Kämpfer freigelassen. Frankreich und Australien hatten gegen diesen Schritt protestiert.

Der US-Sondergesandte für Afghanistan verteidigte die Freilassung am Freitag. Die Entscheidung der afghanischen Regierung sei "schwierig, aber notwendig" gewesen, "um innerafghanische Verhandlungen aufzunehmen und dem Frieden eine Chance zu geben", sagte Zalmay Khalilzad.

"Das Auftreten der Taliban deutet darauf hin, dass sie ihre gegenwärtige Position als eine von großer Stärke wahrnehmen", sagte Andrew Watkins, ein Afghanistan-Experte der International Crisis Group. Zudem würden die Aufständischen in der Regel als einheitliche Gruppe auftreten, während die Regierung in Kabul durch persönliche Fehden und Rivalitäten gespalten ist.

Ein unmittelbarer Streitpunkt wird voraussichtlich die Frage um einen sofortigen Waffenstillstand in dem Konflikt, in dem bereits zehntausende Menschen getötet wurden und Millionen vertrieben. Das US-Abkommen sieht einen solchen nur als "Punkt auf der Tagesordnung". Die afghanische Regierung besteht aber auf einer Waffenruhe ab Tag eins - die Taliban haben dieser Forderung bereits eine Absage erteilt. Die Taliban "vertrauen den USA und der afghanischen Regierung nicht ausreichend, um die Kämpfe einzustellen", sagte Watkins.


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