10.09.2020, 11:37 Uhr

Clovis (AFP) Waldbrände an der US-Westküste vernichten ganze Ortschaften


Mindestens sechs weitere Todesopfer

Die verheerenden Busch- und Waldbrände an der Westküste der USA haben inzwischen ganze Ortschaften verwüstet und mindestens sechs weitere Menschen das Leben gekostet. Im Bundesstaat Oregon wurden fünf Städte "großenteils zerstört", wie Gouverneurin Kate Brown am Mittwoch (Ortszeit) schilderte. Die Behörden warnten, die Opferzahlen könnten in den nächsten Tagen noch steigen, da viele Gebiete komplett von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Unter den Todesopfern war ein einjähriges Baby. Der Junge starb nach Polizeiangaben am Mittwoch im Bundesstaat Washington, als seine Eltern mit ihm vor den Flammen flüchteten. Die Eltern überlebten schwer verletzt. Im Bezirk Marion in Oregon wurden nach Polizei-Angaben die Leichen von zwei Opfern der Feuerkatastrophe gefunden. Laut Lokalmedien handelte es sich um einen zwölfjährigen Jungen und seine Großmutter.

Auch in Nordkalifornien wurden drei Todesopfer entdeckt. Zuvor waren bereits mindestens acht Menschen in Kalifornien durch die dort seit Wochen heftig wütenden Busch- und Waldbrände ums Leben gekommen.

Von großen Teilen der Stadt Talent in Oregon stehen nur noch "rauchende Ruinen", wie die Einwohnerin Sandra Spelliscy der Nachrichtenagentur AFP schilderte: "Es gibt mehrere Stadtteile, wo kein einziges Gebäude mehr steht, nur noch die Skelette von Schornsteinen oder verkohlten Haushaltsgeräten."

Die erneute massive Ausbreitung der Brände wird durch eine Hitzewelle und trockenen Wind begünstigt. Hunderte weitere Häuser wurden seit dem Wochenende vernichtet, zehntausende Menschen mussten vor den Flammen fliehen.

Die Katastrophe könne sich zum "größten Verlust von menschlichem Leben und Eigentum" durch Busch- und Waldbrände in der Geschichte Oregons auswachsen, warnte Gouverneurin Brown. Auch der Gouverneur von Washington, Jay Inslee, nannte das Ausmaß der Feuer "beispiellos und herzzerreißend". Er machte den Klimawandel für die Brände verantwortlich. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom erklärte, angesichts der Brände habe er keinerlei Verständnis für Klimawandel-Leugner: "Das hat absolut nichts mit der Realität vor Ort zu tun."

In Kalifornien vernichteten die Flammen bereits eine Rekordfläche von mehr als 8000 Quadratkilometern. Rund 240 Kilometer nördlich von San Francisco breitete sich zuletzt das sogenannte Bear Fire mit rasender Geschwindigkeit aus. Es vereinte sich mit älteren Bränden und bedrohte die Stadt Oroville.

San Francisco und andere kalifornische Regionen erwachten am Mittwoch unter einem orangefarbenen Himmel. Erzeugt wurde das Phänomen vom Rauch der Brände, der sich mit Nebel vermischte und das Sonnenlicht blockierte - dies erzeugte eine surreal wirkende Szenerie wie in einem Katastrophenfilm.

Mehr als 170.000 Haushalte waren in Kalifornien ohne Strom, da der Energieversorger PG&E wegen der extremen Waldbrandgefahr in weiten Teilen des Bundesstaates das Stromnetz stilllegte. Nach Angaben der Feuerwehr wurden bereits mehr als 3000 Gebäude in Kalifornien durch die Feuer zerstört.

Busch- und Waldbrände haben in Kalifornien in den vergangenen Jahren stark zugenommen, wofür Experten die Erderwärmung mitverantwortlich machen. Beim folgenschwersten Waldbrand der kalifornischen Geschichte waren im November 2018 in Norden des Bundesstaats 86 Menschen ums Leben gekommen.


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