10.09.2020, 11:56 Uhr

Washington (AFP) Trump spielte die Gefahr durch das Coronavirus absichtlich herunter

Donald Trump mit Atemschutz.
Quelle: AFP/ALEX EDELMAN (Foto: AFP/ALEX EDELMAN)Donald Trump mit Atemschutz. Quelle: AFP/ALEX EDELMAN (Foto: AFP/ALEX EDELMAN)

Biden wirft dem US-Präsidenten "Verrat am amerikanischen Volk" vor

US-Präsident Donald Trump hat seine Landsleute über die Gefahr der Corona-Pandemie bewusst im Unklaren gelassen und diese heruntergespielt. Das geht aus vom Nachrichtensender CNN veröffentlichten Auszügen aus dem neuesten Buch des renommierten Enthüllungsjournalisten Bob Woodward hervor. "Ich wollte es herunterspielen", sagte Trump demnach in einem Gespräch mit Woodward am 19. März. Am Mittwoch verteidigte der Präsident seine verharmlosenden Äußerungen. Er habe damals "Panik" im Land vermeiden wollen, sagte Trump in Washington.

Trump hatte zu Beginn der Ausbreitung des neuartigen Virus in den USA die Gefahren immer wieder kleingeredet. Weil er zudem schon früh auf die Aufhebung der Corona-Restriktionen und eine rasche Rückkehr zur Normalität drang, werfen ihm Kritiker eine erhebliche Mitschuld an der starken Ausbreitung des Virus vor.

Durch Woodwards Enthüllungen, die acht Wochen vor der Präsidentenwahl am 3. November für großen Wirbel sorgen, erhalten diese Vorwürfe neue Nahrung. In seinen Gesprächen mit Woodward machte Trump deutlich, dass er von Anfang an wusste, dass das Virus "tödliches Zeug" sei. Dennoch habe er es verharmlost.

"Ich mag es immer noch, es herunterzuspielen, weil ich keine Panik erzeugen will", sagte Trump demnach in dem Interview. Öffentlich sagte der Präsident in den damaligen Wochen wiederholt, das Virus sei nicht gefährlich und werde von alleine wieder "verschwinden".

Woodwards Buch "Rage" (Zorn) soll am 15. September erscheinen. Es beruht auf 18 Interviews, die Trump dem Journalisten zwischen Dezember 2019 und Juli 2020 gab und die mit seinem Einverständnis mitgeschnitten wurden.

Am Mittwoch verteidigte Trump seine Äußerungen. Die Regierung habe "Führungsstärke" zu zeigen, sagte er auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus. "Ich will nicht, dass sich die Menschen ängstigen, ich will keine Panik erzeugen." Woodwards Buch bezeichnete der Präsident als "weiteren politischen Anschlag".

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden warf Trump aufgrund der Woodward-Enthüllungen "Verrat am amerikanischen Volk " vor. Der Präsident habe diesen "Verrat" in einer Frage von "Leben und Tod" begangen, betonte Biden bei einem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Michigan. Er habe die Menschen wissentlich monatelang belogen.

In den Umfragen zur Wahl liegt Biden aktuell vor Trump. Durch die Pandemie sind die Zustimmungsraten des Präsidenten gesunken. Die USA sind mit 6,35 Millionen verzeichneten Infektions- und mehr als 190.000 Todesfällen das am stärksten von der Pandemie betroffene Land der Welt.

Unterstützung erhielt Trump von dem angesehenen Virus-Experten Anthony Fauci, der in der Vergangenheit immer wieder ein entschlossenes Vorgehen gegen das Virus gefordert und Trump dabei auch mal widersprochen hatte. "Ich erinnere mich an nichts, was eine grobe Verzerrung der Dinge gewesen wäre, über die ich mit ihm gesprochen habe", sagte er dem Sender Fox News. Trump habe verhindern wollen, dass das Land "verkommt".

Woodward, der Trump mit seinen Enthüllungen nun in Bedrängnis bringt, war in den 1970er Jahren zusammen mit seinem "Washington Post"-Kollegen Carl Bernstein durch seine Recherchen zur Watergate-Abhöraffäre um Präsident Richard Nixon weltberühmt geworden. Seitdem hat er immer wieder Enthüllungsbücher über US-Präsidenten veröffentlicht, so auch 2018 eines über Trump mit dem Titel "Fear" ("Furcht").

Kritik wurde am Zeitpunkt der Veröffentlichung der brisanten Informationen laut. Weshalb Woodward Trumps Äußerungen erst kurz vor dem Erscheinen seines Buches und nicht bereits früher publik gemacht habe, sei "eine gute Frage", schrieb Medien-Experte David Boardman von der Temple University bei Twitter. "Ist diese traditionelle Praxis in der heutigen Situation, in der es um Leben und Tod geht, noch ethisch vertretbar?"


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