09.09.2020, 09:45 Uhr

Berlin (AFP) Studie: Zugbegleiter bei der Bahn nicht in erhöhter Corona-Gefahr

ICE der Deutschen Bahn in Berlin.
Quelle: AFP/Archiv/John MACDOUGALL (Foto: AFP/Archiv/John MACDOUGALL)ICE der Deutschen Bahn in Berlin. Quelle: AFP/Archiv/John MACDOUGALL (Foto: AFP/Archiv/John MACDOUGALL)

Untersuchung von gut 1000 Mitarbeitern im Fernverkehr

Mitarbeiter in den Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn haben kein erhöhtes Corona-Ansteckungsrisiko. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Untersuchung mit der Berliner Universitätsklinik Charité unter gut 1000 Bahn-Mitarbeitern, die der Konzern am Mittwoch vorstellte. Es gebe bei den Zugbegleitern "keine Anzeichen für eine erhöhte Corona-Gefahr" und folglich generell "kein erhöhtes Risiko in unseren Zügen", erklärte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler.

Etwa 600 Zugbegleiter sowie 200 Lokführer und 200 Instandhaltungstechniker im Fernverkehr wurden laut Bahn zufällig ausgewählt und ließen sich vom 29. Juni bis zum 3. Juli freiwillig auf eine Corona-Ansteckung und Antikörper testen. Demnach war nur ein Werksmitarbeiter Corona-positiv; insgesamt 20 Mitarbeiter wurden positiv auf Antikörper getestet. Dabei waren Zugbegleiter relativ sogar weniger betroffen als die Mitarbeitergruppen ohne Kundenkontakt.

Das "lässt natürlich keine direkte Schlussfolgerung auf das Risiko für Fahrgäste zu", erklärte Seiler. Die Bahn habe aber auch "keine Erkenntnisse dafür, dass Menschen in unseren Zügen einer höheren Gefahr ausgesetzt sind". Der Konzern verwies darauf, dass die Zugbegleiter "für gewöhnlich signifikant längere Aufenthaltsdauern in Zügen haben als Reisende". Die Bahn plant eine zweite Testrunde für Oktober und eine dritte für Februar 2021.

Für ihren Nahverkehr legte die Bahn am Mittwoch keine Zahlen oder eine Risikoeinschätzung vor. Der Bahnvorstand für Personenverkehr, Berthold Huber, zeigte sich dennoch erfreut über die ersten Studienergebnisse, die belegten, dass Bahnfahren sicher und die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen "fortlaufend wirksam" seien. Der Bahnverkehr sei mit seinen meist flüchtigen und kurzen Kontakten "kein Treiber im Infektionsgeschehen".

Die Bahn stockte nach eigenen Angaben ihre "Präventionsteams" und Kontrollen zur Einhaltung der Maskenpflicht im Fernverkehr zuletzt deutlich auf. Täglich würden mittlerweile 120 Fernverkehrszüge kontrolliert und dabei "in den seltensten Fällen" Verstöße festgestellt, sagte Huber. "Die Disziplin liegt bei deutlich über 95 Prozent der Kunden", im Nahverkehr seien die Zahlen vergleichbar.

Die übrigen fünf Prozent setzten meist nach Aufforderung die Maske auf. Dass "Maskenverweigerer" des Zuges verwiesen werden, ist laut Huber "wirklich die Ausnahme".

Aller Bemühungen um Sicherheit und Infektionsschutz zum Trotz ist die Kundennachfrage aber nach wie vor "sehr verhalten", wie Huber weiter sagte. "Es geht langsam voran, aber wir sind alles andere als übervoll." Mit Blick auf die Corona-Pandemie ist das der Bahn aber nicht einmal unrecht: Um auch bei steigenden Fahrgastzahlen im Fernverkehr die derzeitige Auslastung von etwa 40 Prozent "aufrecht erhalten" zu können, will der Konzern bis zum Jahresende 13.000 zusätzliche Sitzplätze anbieten – insbesondere durch ICE-Neuanschaffungen.


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