04.09.2020, 11:57 Uhr

Münster (AFP) Anklage gegen fünf Beschuldigte im Missbrauchskomplex Münster erhoben

In diesem Gartenhaus sollen Kinder missbraucht worden sein..
Quelle: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER (Foto: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER)In diesem Gartenhaus sollen Kinder missbraucht worden sein.. Quelle: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER (Foto: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER)

Männer sollen Jungen teils über Tage schwer sexuell missbraucht haben

Im Missbrauchskomplex Münster ist Anklage gegen fünf Beschuldigte erhoben worden. Der mutmaßliche Haupttäter, ein 27-Jähriger aus Münster, und weitere Männer sollen teilweise über Tage hinweg Kinder schwer sexuell missbraucht haben, wie die Staatsanwaltschaft Münster am Freitag mitteilte. Als Hauptopfer gilt ein heute zehnjähriger Junge, bei dem es sich um den Sohn der Lebensgefährtin des 27-Jährigen handelt.

Angeklagt wurden weiterhin ein 30-jähriger Mann aus Staufenberg bei Gießen, ein 35-Jähriger aus Hannover und ein 42-Jähriger aus dem brandenburgischen Schorfheide. Alle vier Männer sollen zwischen 2018 und dem Mai dieses Jahres die Missbrauchstaten begangen haben.

Neben schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern werden ihnen Vergewaltigung sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Gegen die Beschuldigten aus Münster und Staufenberg besteht zudem der Verdacht des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen. Die 45 Jahre alte Mutter des mutmaßlichen Haupttäters soll von den Taten gewusst haben. Ihr wird Beihilfe vorgeworfen.

Der 27-Jährige mutmaßliche Haupttäter soll sich an dem Zehnjährigen laut Staatsanwaltschaft bei 26 verschiedenen Gelegenheiten vergangen haben. Fotos und Videos von den Taten, die sich Ende 2018 sowie zwischen Januar und März 2019 ereignet haben, soll der Beschuldigte über das sogenannte Darknet an bislang Unbekannte geschickt haben.

Im Mai 2019 soll er zudem den damals neunjährigen Jungen mit einem 41-Jährigen aus Köln gemeinschaftlich sexuell missbraucht haben. Gemeinsam mit den anderen Beschuldigten aus Hannover, Staufenberg und Schorfheide, die der 27-Jährige vermutlich über das Internet kennenlernte, soll es dann im April dieses Jahres zu schweren Missbrauchshandlungen an dem Zehnjährigen und dem fünfjährigen Sohn des Manns aus Staufenberg gekommen sein.

Die Männer sollen die Kinder über mehrere Tage hinweg in einer Gartenlaube in Münster schwer missbraucht haben, die der Mutter des Hauptbeschuldigten gehört. Den Ermittlungen zufolge soll der Zehnjährige sogenannte KO-Tropfen bekommen haben, um ihn wehrlos zu machen. Der Junge wurde Anfang Mai erneut in der Gartenlaube von den Beschuldigten aus Münster und Hannover missbraucht und dabei wieder mit KO-Tropfen gefügig gemacht.

Der Beschuldigte aus Staufenberg soll zudem 2018 seinen damals dreijährigen Sohn und seine zur Tatzeit fünfjährige Tochter missbraucht haben. Die fünf Männer sitzen in Untersuchungshaft und äußerten sich bislang nicht zu den Tatvorwürfen.

Der Tatverdacht gegen sie stützt sich demnach auf etwa 30 Stunden lange Aufzeichnungen einer Videokamera, die in der Gartenlaube installiert war. Bei Durchsuchungen wurden zudem mehrere Fläschchen mit KO-Tropfen gefunden. Das Landgericht Münster entscheidet nun über die Zulassung der Anklage.

In dem Missbrauchskomplex Münster wird noch gegen weitere Beschuldigte ermittelt. Bei dem Fall handelt es um eine von drei großen Missbrauchsserien, denen die Ermittler allein in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen eineinhalb Jahren auf die Spur kamen: Zuvor lösten bereits der jahrelang unentdeckt gebliebene Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde und der Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach bundesweit Entsetzen aus.


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