27.08.2020, 21:21 Uhr

Kenosha (AFP) Beispielloser Sportler-Boykott in den USA nach Polizeischüssen auf Schwarzen

Proteste in Kenosha.
Quelle: AFP/KAMIL KRZACZYNSKI (Foto: AFP/KAMIL KRZACZYNSKI)Proteste in Kenosha. Quelle: AFP/KAMIL KRZACZYNSKI (Foto: AFP/KAMIL KRZACZYNSKI)

Trump attackiert Basketball-Liga NBA - Lage in Kenosha beruhigt sich

Mit einem vorübergehenden Boykott haben zahlreiche US-Sportler ein Zeichen gegen die anhaltende Polizeigewalt gegen Schwarze in dem Land gesetzt. Wenige Tage nach Polizeischüssen auf den 29-jährigen Afroamerikaner Jacob Blake stellten sich Basketballer, Baseballer, Fußball-, Tennis- und Footballspieler demonstrativ gegen Polizeigewalt und Rassismus. Präsident Donald Trump attackierte daraufhin am Donnerstag die Basketball-Liga NBA und bezeichnete sie als "politische Organisation". Derweil beruhigte sich die Lage in Kenosha, wo Blake niedergeschossen worden war.

Nachdem es bei Protesten in der Stadt im Bundesstaat Wisconsin an mehreren Abenden in Folge zu Ausschreitungen gekommen war, blieben die Demonstrationen in der Nacht auf Donnerstag friedlich. Hunderte Demonstranten gingen trotz einer Ausgangssperre auf die Straße. "Alle erwarten, dass wir voller Wut rausgehen und durchdrehen", sagte ein schwarzer Demonstrant. "Aber wir protestieren friedlich."

Sheriff David Beth sagte, die Lage habe sich "radikal verändert". Die Menschen hätten friedlich demonstriert. Am Rande der Proteste waren am Dienstagabend zwei Menschen erschossen worden, als Tatverdächtiger wurde ein 17-Jähriger festgenommen und des Mordes beschuldigt. Er hatte sich offenbar zu einer Gruppe von Bewaffneten gesellt, die die Stadt vor Demonstranten "schützen" wollten.

Blake war am Sonntag in Kenosha von einem weißen Polizisten aus nächster Nähe mit sieben Schüssen in den Rücken schwer verletzt worden, als er gerade die Fahrertür zu seinem Auto öffnete, in dem drei seiner Kinder saßen. Nach Angaben von Wisconsins Generalstaatsanwalt Josh Kaul hatten Polizisten zunächst vergeblich versucht, den 29-Jährigen festzunehmen.

Als Blake um sein Auto herumging und die Fahrertür öffnete, packte ihn der Polizist Rusten Sheskey am T-Shirt und schoss ihm sieben Mal mit seiner Dienstwaffe in den Rücken. Nach Angaben des Generalstaatsanwalts wurde in Blakes Auto ein Messer gefunden. Unklar blieb, ob der 29-Jährige das Messer bei der Auseinandersetzung zu irgendeinem Zeitpunkt in seiner Hand gehalten hatte.

Die Anwälte von Blakes Familie hatten angegeben, er habe einen Streit zwischen zwei Frauen schlichten wollen. Wegen der schweren Verletzungen ist der Familie zufolge unklar, ob der 29-Jährige jemals wieder wird laufen können.

Die Polizeischüsse auf Blake haben drei Monate nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis die Empörung über Polizeigewalt gegen Schwarze erneut angeheizt. Nun setzten zahlreiche Sportler ein Signal.

Die Basketball-Liga NBA verschob nach einem Spiel-Boykott der Milwaukee Bucks aus Wisconsin alle für Mittwoch geplanten Partien. Auch für Donnerstag angesetzte Spiele wurden abgesagt. Am Freitag soll der Spielbetrieb Medienberichten zufolge aber wieder aufgenommen werden.

Trump, der sich bislang nicht direkt zu den Schüssen auf Blake geäußert hat, warf der NBA vor, inzwischen "wie eine politische Organisation" aufzutreten. "Und das ist keine gute Sache." Auch sein Schwiegersohn Jared Kushner kritisierte die Basketballliga: Die Spieler hätten das Glück, reich genug zu sein, um sich für die Proteste einen Abend freinehmen zu können.

US-Tennisstar Naomi Osaka erklärte zwischenzeitlich, sie verzichte aus Protest auf ihre Teilnahme am Halbfinale bei den Western & Southern Open. Die Veranstalter sagten daraufhin alle Spiele am Donnerstag ab. Die Spiele sollen nun aber am Freitag ausgetragen werden. Auch Osaka selbst erklärte, dann ihr Halbfinale bestreiten zu wollen.

In der Protestbewegung Black Lives Matter (Das Leben von Schwarzen zählt) spielen afroamerikanische Sportstars wie der Basketballer LeBron James eine wichtige Rolle. Sie nutzen ihre Prominenz, um Rassismus in der US-Gesellschaft anzuprangern.


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