27.08.2020, 15:53 Uhr

Lake Charles (AFP) Schwere Schäden durch Hurrikan "Laura" an US-Südküste - ein Todesopfer

Hunderttausende vor "extrem gefährlichem" Wirbelsturm in Sicherheit gebracht

Mindestens ein Todesopfer und schwere Schäden an Wohnhäusern: Der "extrem gefährliche" Wirbelsturm "Laura" ist mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 Stundenkilometern auf die US-Küste am Golf von Mexiko getroffen. Als Hurrikan der zweithöchsten Kategorie 4 erreichte "Laura" am Donnerstag die Ortschaft Cameron im Bundesstaat Louisiana, wie das US-Hurrikanzentrum (NHC) mitteilte. Die Meteorologen warnten vor lebensbedrohlichen Sturmfluten in Louisiana und Texas.

Hunderttausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Das NHC warnte die Bewohner der Küstengebiete vor "zerstörerischen Wellen, die katastrophale Schäden verursachen werden". "Gehen Sie jetzt in Deckung!", warnten die Meteorologen im Onlinedienst Twitter.

Auf Satellitenbildern war die enorme Größe des Hurrikans zu sehen, als er gegen 01.00 Uhr nachts (07.00 Uhr MESZ) bei Cameron auf Land traf. Der Sturm zog dann mit starkem Regen über die nahegelegene Stadt Lake Charles hinweg. Seine gewaltigen Windböen entwurzelten Bäume, rissen Strommasten um und ließen Fensterscheiben zu Bruch gehen.

Mancherorts wurden ganze Dächer von Häusern gerissen, Straßen und Wohngebäude wurden teilweise überschwemmt. In der Region um Leesville im Bundesstaat Louisiana wurde ein Mädchen getötet, als ein Baum auf ein Haus fiel, wie Gouverneur John Bel Edwards im Sender MSNBC sagte. Die Bedrohung durch "Laura" bestehe weiter, betonte Edwards bei Twitter. "Bleiben Sie zu Hause und befolgen Sie weiterhin die Warnungen und Instruktionen der lokalen Behörden."

Über Land schwächte sich der Wirbelsturm zwar ab und wurde am Donnerstag auf die Hurrikan-Kategorie 1 herabgestuft. Nach Einschätzung der Meteorologen hat "Laura" aber weiterhin gewaltige Zerstörungskraft: Das NHC warnte insbesondere vor einer bis zu sechs Meter hohen Sturmflut. Das Wasser könnte demnach bis zu 65 Kilometer ins Landesinnere vordringen und erst Tage nach Durchzug des Sturms wieder zurückgehen.

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, warnte, "Laura" sei einer der bisher bedrohlichsten Wirbelstürme. Die Menschen sollten sich unbedingt in Sicherheit bringen. "Ihr Besitz lässt sich ersetzen, Ihr Leben nicht", sagte Abbott. Auch das Weiße Haus betonte, dass "Laura" weiterhin ein "tödlicher Hurrikan" sei, der "verheerende Sturmfluten, zerstörerische Winde und Sturzfluten" zur Folge haben könnte. Präsident Donald Trump habe zugesagt, alle nötigen Ressourcen einzusetzen, um den Betroffenen zu helfen, hieß es weiter.

In Louisiana und Texas waren laut der Internetseite PowerOutage.us am Donnerstagmorgen mehr als eine halbe Million Menschen ohne Strom. Auf seinem Weg nach Nordosten sollte der Sturm in der Nacht zum Freitag als nächstes den Bundesstaat Arkansas erreichen.

Bereits seit Mittwoch hatten sich Bewohner tief liegender Gebiete der US-Golfküste auf den Wirbelsturm vorbereitet. Sie verrammelten ihre Fenster mit Spanplatten und stapelten Sandsäcke vor ihren Häusern auf.

Hunderttausende Menschen wurden bereits vorsorglich in Sicherheit gebracht. Unter den Städten, für die eine Zwangsevakuierung angeordnet wurde, sind Beaumont und Port Arthur in Texas, die vor drei Jahren bereits schwere Schäden durch Hurrikan "Harvey" erlitten hatten. In Port Arthur packten viele Menschen ihre Sachen. "Wir müssen wirklich aufbrechen", sagte Jannette Zinos, die ihre Kinder ins Auto setzte. "Ich mache mir Sorgen, dass unser Haus über uns zusammenstürzt."

In New Orleans waren die Straßen wie leergefegt. Vor vielen Gebäuden in der historischen Altstadt stapelten sich Sandsäcke, Fenster waren zugenagelt. Fast auf den Tag genau vor 15 Jahren, am 29. August 2005, waren beim Hurrikan "Katrina" 80 Prozent der Stadt überschwemmt worden, mehr als 1800 Menschen kamen ums Leben.

Auf "Lauras" Kurs durch die Karibik waren mindestens 25 Menschen in Haiti und der Dominikanischen Republik ums Leben gekommen. Auch auf Kuba richtete der Sturm schwere Schäden an. Im Golf von Mexiko wurden mehr als hundert Ölplattformen sicherheitshalber geräumt.


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