27.08.2020, 10:08 Uhr

Christchurch (AFP) Moschee-Attentäter von Christchurch zu lebenslanger Haft verurteilt


Keine Aussicht auf vorzeitige Freilassung für 29-jährigen Rechtsextremisten

Anderthalb Jahre nach dem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch ist der rechtsextremistische Täter zu lebenslanger Haft ohne Aussicht auf vorzeitige Entlassung verurteilt worden. Richter Cameron Mander begründete das beispiellose Strafmaß am Donnerstag mit der "teuflischen Bösartigkeit" des Verbrechens. Der heute 29-jährige Australier Brenton Tarrant hatte im März 2019 bei Angriffen auf zwei Moscheen insgesamt 51 Menschen erschossen.

Getrieben von "niederträchtigem Hass" habe Tarrant wehrlose Männer, Frauen und Kinder getötet, sagte Richter Mander. Mit dem Strafmaß folgte er der Forderung der Staatsanwaltschaft. Laut Chefankläger Mark Zarifeh war Tarrant von einem tief verwurzelten Rassismus angestachelt. Zarifeh nannte den 29-Jährigen den "schlimmsten Mörder" in der Geschichte Neuseelands.

Vor dem Gerichtsgebäude in Christchurch jubelten und sangen Muslime und Nicht-Muslime nach der Urteilsverkündung gemeinsam. "Was wir heute gesehen haben ist die Gerechtigkeit, auf die wir gehofft hatten", sagte Gamal Fouda, der Imam der Al-Noor-Moschee in Christchurch. Unterstützer überreichten den Überlebenden und Angehörigen beim Verlassen des Gerichts Blumen.

Der afghanische Flüchtling Taj Kamran, der bei dem Angriff mehrere Kugeln ins Bein bekommen hatte, sagte auf Gehhilfen gestützt: "Nach dem Anschlag konnte ich lange nicht schlafen und habe viel geweint. Heute Nacht werde ich schlafen können." Haminah Tuyan, deren Mann bei dem Angriff getötet wurde sagte, sie sei "erleichtert und in Frieden". Hasim Al-Umari, der Vater des getöteten 35-jährigen Hussein sagte: "Es bringt unseren Sohn nicht zurück, aber es schließt dieses Kapitel ab."

Premierministerin Jacinda Ardern begrüßte das Urteil ebenfalls. Zwar lasse sich das Trauma der Anschläge nicht leicht heilen, sagte sie. Doch verdiene der Attentäter es, den Rest seines Lebens in "komplettem und absolutem Schweigen" zu verbringen. Der australische Premierminister Scott Morrison erklärte, es sei "richtig, dass wir nie wieder etwas von ihm sehen oder hören werden".

Es handelt sich um das erste Mal, dass in Neuseeland eine lebenslange Haftstrafe ohne Chance auf Freilassung verhängt wurde. Tarrants Rechtsberater Kerry Cook hatte vergeblich ins Feld geführt, dass sich die Ansichten des Täters hinter Gittern geändert hätten. Die lebenslange Strafe ohne Chance auf Freilassung bezeichnete er als Verstoß gegen die Menschenrechte.

Der Rechtsextremist Tarrant hatte am 15. März 2019 während der Freitagsgebete in der Al-Noor-Moschee und der Linwood-Moschee um sich geschossen. Er filmte das Blutbad und übertrug die Videos live im Internet. Im März bekannte sich Tarrant in allen Anklagepunkten schuldig. Er wurde daraufhin wegen 51-fachen Mordes, 40-fachen versuchten Mordes sowie Terrorismus schuldig gesprochen, das Strafmaß wurde schließlich am Donnerstag verkündet.

In den Anhörungen zu der Strafmaßentscheidung hatten in den vergangenen Tagen mehr als 90 Überlebende und Angehörige von Todesopfern ausgesagt. Seit dem Tod ihres Mannes und ihres Sohnes bei dem Verbrechen habe sie nie wieder richtig schlafen können, "und ich glaube nicht, dass ich dies jemals wieder tun werde", sagte etwa die Witwe Ambreen Naeem. Über Tarrant sagte sie: "Seine Bestrafung soll für immer andauern."

Viele Zeugen beschrieben Tarrant auch als Feigling - so Abdul Aziz, der als Held gefeiert wurde, weil er den Attentäter von der Linwood-Moschee verjagt hatte. "Ich habe die Angst in seinen Augen gesehen, als er um sein Leben gerannt ist", sagte Aziz. Tarrant zeigte während der teils hochemotionalen Aussagen keine Regung. Auf sein Rederecht verzichtete er.


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