20.08.2020, 10:54 Uhr

Moskau (AFP) Arzt: Behandelnde Mediziner kämpfen um Nawalnys Leben

Eingang zur Notaufnahme des Krankenhauses in Omsk.
Quelle: AFP/Yelena LATYPOVA (Foto: AFP/Yelena LATYPOVA)Eingang zur Notaufnahme des Krankenhauses in Omsk. Quelle: AFP/Yelena LATYPOVA (Foto: AFP/Yelena LATYPOVA)

Sprecherin geht von einer Vergiftung aus

Nach der plötzlichen schweren Erkrankung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny kämpfen die Ärzte in Russland um sein Leben. Die behandelnden Mediziner auf der Intensivstation des Krankenhauses im sibirischen Omsk täten alles, "um sein Leben zu retten", sagte der stellvertretende Direktor der Klinik, Anatoli Kalinitschenko, am Donnerstag vor Journalisten. Nawalny hatte nach Angaben seiner Sprecherin während eines Fluges plötzlich das Bewusstsein verloren, was sie auf eine absichtlich herbeigeführte Vergiftung zurückführte.

Nach Angaben der Sprecherin Kira Jarmysch befand sich Nawalny auf dem Rückweg von der sibirischen Stadt Tomsk nach Moskau, als er plötzlich ohnmächtig wurde. Wegen des Vorfalls machte das Flugzeug in Omsk eine Notlandung. Vor dem Abflug in Tomsk habe Nawalny noch "völlig gesund" gewirkt, sagte Jarmysch. Der 44-Jährige habe dort nur Schwarztee getrunken.

Nawalny ist einer der prominentesten Kritiker von Staatschef Wladimir Putin. Die Stiftung des Anwalts deckt immer wieder Fälle von Korruption auf. Derzeit bereist er Russland, um die Wahl von Putin-Unterstützern bei landesweiten Regionalwahlen im September zu verhindern.

Nawalny war in der Vergangenheit bereits mehrfach attackiert worden. 2017 wurde er am Auge verletzt, als Angreifer ihn vor seinem Büro mit einer antiseptischen grünen Flüssigkeit besprühten. Im August vergangenen Jahres erlitt Nawalny in Polizeigewahrsam Hautausschläge und sein Gesicht schwoll an.

Er saß damals eine kurze Haftstrafe wegen Anstiftung zu ungenehmigten Protesten ab. Ärzte im Krankenhaus sagten anschließend, er habe eine allergische Reaktion erlitten, doch Nawalny forderte Ermittlungen wegen Vergiftung.

In den vergangenen Jahrzehnten hat es immer wieder Giftanschläge auf russische Aktivisten gegeben. Weltweit Schlagzeilen machte etwa der Nowitschok-Anschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia im März 2018 im englischen Salisbury. Beide entgingen nur knapp dem Tod. Westliche Geheimdienste beschuldigen die russische Regierung, den Anschlag als Vergeltung für Skripals Tätigkeit als Doppelagent veranlasst zu haben.


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