18.08.2020, 09:32 Uhr

Milwaukee (AFP) US-Demokraten attackieren Trump bei Nominierungsparteitag scharf

Michelle Obama verurteilt "Chaos, Spaltung und kompletten Mangel an Mitgefühl"

Vor der offiziellen Nominierung von Joe Biden zu ihrem Präsidentschaftskandidaten haben die US-Demokraten Präsident Donald Trump scharf attackiert. Die Amtszeit von Trump sei von "Chaos, Spaltung und einem kompletten Mangel an Mitgefühl" geprägt, sagte die frühere First Lady Michelle Obama am Montagabend (Ortszeit) in einer Videoansprache bei dem Nominierungsparteitag. "Donald Trump ist der falsche Präsident für unser Land", hob sie hervor. Die 56-Jährige und die anderen Redner riefen dazu auf, bei der Präsidentschaftswahl am 3. November Biden zu wählen.

Der in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin organisierte, viertägige Parteitag steht unter dem Motto "Amerika vereinen" und wird wegen der Corona-Pandemie weitgehend virtuell ausgetragen. Weder die Parteitagsdelegierten noch die zahlreichen Redner sind in die Großstadt im Mittleren Westen gereist. Während tagsüber Arbeitsgruppen online zusammenkommen, wird jeden Abend ein Programm mit Videos, Musik und Reden prominenter demokratischer Politiker ausgestrahlt. Die Delegierten werden Biden am Dienstag (ab 20.00 Uhr Ortszeit, Mittwoch 03.00 Uhr MESZ) offiziell zu ihrem Präsidentschaftskandidaten wählen.

Zu Beginn des Parteitags am Montag sprachen unter anderem New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo, der linksgerichtete Senator und frühere Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders, Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer und die Senatorin Amy Klobuchar. Hauptrednerin und Star des Abends war aber die Ehefrau des früheren Präsidenten Barack Obama.

"Wann immer wir auf der Suche nach Führung, Trost oder einem Anschein von Stabilität auf das Weiße Haus blicken, bekommen wir stattdessen Chaos, Spaltung und einen kompletten Mangel an Mitgefühl", sagte Michelle Obama. Trump habe mehr als ausreichend Zeit gehabt, seine Eignung für das Präsidentenamt unter Beweis zu stellen. Er sei dem Amt aber nicht gewachsen: "Man kann sich ganz einfach nicht durch diesen Job mogeln."

Zugleich warb die 56-Jährige für Trump-Herausforderer Biden, der ihrem Mann acht Jahre lang als Vizepräsident gedient hatte. "Ich kenne Joe. Er ist ein zutiefst anständiger Mann, der vom Glauben geleitet wird", sagte Obama. "Er war ein fantastischer Vizepräsident. Er weiß, was es braucht, um eine Wirtschaft zu retten, eine Pandemie zurückzuschlagen und unser Land zu führen." Biden werde "die Wahrheit sagen und der Wissenschaft vertrauen", fügte sie in Anspielung auf Trump hinzu, der in der Corona-Pandemie wiederholt wissenschaftliche Fakten und Ratschläge von Experten ignoriert hat.

Auch Linken-Ikone Sanders kritisierte Trump scharf und warb für Biden. Trump sei "eine Bedrohung für unsere Demokratie", sagte der Senator, der Biden im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten unterlegen war. "Die Zukunft unserer Demokratie steht auf dem Spiel. Die Zukunft unserer Wirtschaft steht auf dem Spiel. Die Zukunft unseres Planeten steht auf dem Spiel."

Auch mehrere Republikaner - Wähler wie Politiker - sprachen sich in Videos für Biden aus. Der frühere Gouverneur von Ohio, John Kasich, sagte, vier weitere Jahre unter Trump würden "furchtbare Konsequenzen" für das Land haben.

Bei der von der Schauspielerin Eva Longoria moderierten Veranstaltung kamen auch zahlreiche Bürger zu Wort. Darunter waren ein Bruder des Ende Mai bei einem brutalen Polizeieinsatz getöteten Afroamerikaners George Floyd und eine junge Frau, deren Vater an den Folgen einer Corona-Infektion starb. Der Abend stand unter dem Motto "Wir, das Volk" - mit diesen Worten beginnt die Präambel der US-Verfassung.

Bei dem viertägigen Parteitag sind unter anderem Reden von Bidens Vize-Kandidatin Kamala Harris, von Barack Obama und Ex-Präsident Bill Clinton sowie von dessen Ehefrau Hillary geplant, die Trump bei der Präsidentschaftswahl 2016 unterlegen war. Am Donnerstag hält der 77-jährige Biden dann von seinem Heimatstaat Delaware aus seine Nominierungsrede.

Umfragen sehen Biden derzeit teils deutlich vor Trump, der wegen seines Umgangs mit der Corona-Pandemie und den Protesten der Black-Lives-Matter-Bewegung unter Druck steht.


0 Kommentare