17.08.2020, 11:45 Uhr

Köln (AFP) Missbrauchsprozess gegen Bergisch Gladbacher vor Kölner Landgericht begonnen

Angeklagter sagt noch am Montag unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus

Vor dem Landgericht Köln hat am Montag der Missbrauchsprozess gegen einen Bergisch Gladbacher begonnen, dessen mutmaßliche Taten die Ermittler zu einem weit verzweigten Netzwerk von Pädokriminellen führten. Nach der über einstündigen Anklageverlesung äußerte sich der 43-Jährige unter Ausschluss der Öffentlichkeit erstmals zu den Vorwürfen sexuellen Kindesmissbrauchs, der Vergewaltigung und der Verbreitung von Kinderpornografie. Einzelheiten der Aussage wurden zunächst nicht bekannt.

Die Staatsanwaltschaft Köln legt dem gelernten Koch und Hotelfachmann 79 Straftaten "in unterschiedlichen Fallkonstellationen" von Juli 2017 bis zu seiner Verhaftung im Oktober 2019 zur Last. 70 der Taten betreffen seine eigene 2017 geborene Tochter: Diese soll der Angeklagte demnach ab ihrem dritten Lebensmonat regelmäßig in Abwesenheit der Mutter missbraucht haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, "in 61 Fällen verschiedenste sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen zu haben oder von ihr an sich haben vornehmen zu lassen". Die Behörden gehen dabei von 48 schweren Missbrauchsfällen aus. Dem Angeklagten sei es für sein Lustempfinden auch darauf angekommen, dass seine Tochter die Taten wahrnimmt, sagte die Staatsanwältin zum Prozessauftakt.

"Einen Großteil" seiner Taten soll der Angeklagte mit dem Smartphone dokumentiert haben, und das "nicht bloß zum Eigengebrauch", wie die Staatsanwältin betonte. Demnach soll er zahlreiche Bilder und Videos über verschiedene Onlinedienste an gleichgesinnte Chatpartner geschickt haben. Mit ihnen soll sich der Mann auch regelmäßig in Einzel- und Gruppenchats über Missbrauchstaten oder Fantasien ausgetauscht und in Einzelfällen sogar zu Taten verabredet haben. Gegen einzelne der Chatpartner ermitteln die Behörden gesondert.

Der Angeklagte nahm die Anklage äußerlich regungslos zur Kenntnis. Nach Gerichtsangaben half er während der Ermittlungen bei der Identifizierung von Chatpartnern, schwieg allerdings bislang zu den Vorwürfen.

Am Montag sollte sich das ändern: Der Angeklagte kündigte im Anschluss an die Anklageverlesung eine Aussage an. Auf Antrag der Nebenklage schloss die Strafkammer die Öffentlichkeit für die Dauer der Einlassung aus, um die Familie zu schützen. Informationen zu der Aussage seien daher auch im Tagesverlauf nicht zu erwarten, sagte die Gerichtssprecherin.

Der Angeklagte aus Bergisch Gladbach sitzt seit Oktober 2019 in Untersuchungshaft in Köln. Ihm drohen bei einer Verurteilung zwischen zwei und 15 Jahre Haft. Auch die anschließende Sicherungsverwahrung steht im Raum. Ein psychologischer Gutachter soll das Gericht in dem Verfahren unterstützen. Die Ermittlungen im gesamten Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach richten sich mittlerweile bundesweit gegen zahlreiche Beschuldigte, darunter allein 83 in Nordrhein-Westfalen.

Der Prozessauftakt war vor einer Woche wegen eines Feuers im Kölner Justizgebäude kurzfristig verschoben worden, entsprechend begann der Prozess nun erst am zweiten vorgesehenen Verhandlungstag. Am Mittwoch soll das Verfahren öffentlich fortgeführt werden - geplant ist dann die Vernehmung von Chatpartnern des Angeklagten. Auch seine Frau, die am Montag noch nicht im Gerichtssaal war, will sich im weiteren Prozessverlauf äußern - allerdings wiederum unter Ausschluss der Öffentlichkeit.


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