15.08.2020, 11:21 Uhr

Tokio (AFP) Japanische Minister besuchen umstrittenen Schrein am Jahrestag der Kapitulation


Südkorea betont Bereitschaft zu Gesprächen im Entschädigungsstreit

Am 75. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg haben vier japanische Minister den umstrittenen Yasukuni-Schrein in Tokio besucht, in dem auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden. Ministerpräsident Shinzo Abe verzichtete auf einen Besuch am Samstag, ließ dem Schrein aber ein rituelles Geldopfer zukommen. Japans Nachbarländer sehen in dem Schrein ein Symbol des Militarismus.

Der Besuch der Minister in dem Schrein war der erste von Regierungsmitgliedern seit 2016. Er habe mit seinem Besuch den Seelen seinen Respekt erwiesen,"die sich edel während des Krieges geopfert haben", sagte Bildungsminister Koichi Hagiuda am Samstag.

Der Yasukuni-Schrein ist hoch umstritten, weil dort neben Japans 2,5 Millionen Kriegstoten auch 14 verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden. Besuche von japanischen Politikern in dem Schrein sorgen daher regelmäßig für große Verärgerung in China und Südkorea, die im Zweiten Weltkrieg von Japan besetzt waren. Abe hatte den Schrein zuletzt 2013 besucht und damit eine diplomatische Krise ausgelöst.

Der Besuch am Samstag fällt in eine Zeit der Spannungen zwischen Japan und dem einstigen Kriegsgegner Südkorea. Beide Länder streiten bis heute über Entschädigungen für Zwangsarbeit und Zwangsprostitution während des Zweiten Weltkriegs. Seine Regierung sei weiterhin jederzeit zu Gesprächen mit Tokio bereit, sagte Südkoreas Präsident Moon Jae In bei einer Zeremonie zur Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft 1945.

Japans Kaiser Naruhito und Kaiserin Masako nahmen derweil am Samstag an einer Zeremonie zum Jahrestag der Kapitulation teil. Er schaue mit "tiefem Bedauern" auf die kriegerische Vergangenheit des Landes zurück und hoffe "aufrichtig, dass die Zerstörungen des Krieges sich niemals wiederholen", sagte der Kaiser. In der Vergangenheit hatte er sich dafür ausgesprochen, "korrekt" an den Zweiten Weltkrieg zu erinnern, ohne den japanischen Militarismus in jener Zeit zu übergehen.


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