30.07.2020, 09:54 Uhr

Nürnberg (AFP) Deutscher Arbeitsmarkt nach Corona-Einbruch wieder stabilisiert

Logo der Bundesagentur für Arbeit .
Quelle: AFP/INA FASSBENDER (Foto: AFP/INA FASSBENDER)Logo der Bundesagentur für Arbeit . Quelle: AFP/INA FASSBENDER (Foto: AFP/INA FASSBENDER)

Kurzarbeit verhindert Schlimmeres - Anstieg um 57.000 Arbeitlose saisonüblich

Der massive Einsatz von Kurzarbeit hat den deutschen Arbeitsmarkt zumindest vorerst stabilisiert. Im Juli gab es keinen weiteren von der Coronakrise ausgelösten Anstieg der Arbeitslosenzahl mehr, teilte die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag mit. Das Risiko, arbeitslos zu werden, habe sich "deutlich verringert", sagte BA-Vorstandsmitglied Daniel Terzenbach. Trotz des positiven Trends seien seriöse Prognosen zur längerfristigen Entwicklung nicht möglich.

Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen im Juli um 57.000 auf 2,91 Millionen, die Arbeitslosenquote stieg von Juni um 0,1 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent. Ein Anstieg im Juli ist wegen der Sommerpause üblich, vor einem Jahr war er ähnlich groß. Im Vergleich zum Juli 2019 waren allerdings 635.000 Menschen mehr arbeitslos, nachdem es zuletzt coronabedingt deutliche Anstiege gegeben hatte.

Maßgeblich zur Stabilisierung trug die Kurzarbeit bei. Im Mai bezogen 6,7 Millionen Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld, so viele wie noch nie in Deutschland. Im April gab es noch 6,1 Millionen Bezieher von Kurzarbeitergeld, im März nur rund 2,5 Millionen. Die Inanspruchnahme dieser Leistung, die Entlassungen verhindern soll, liege damit weit über den Werten zu Zeiten der großen Rezession in den Jahren 2008 und 2009, sagte Terzenbach.

Kurzarbeit habe bis zu vier Millionen Beschäftigungsverhältnisse gesichert. Mittlerweile ist nach Angaben der Bundesagentur aber der Höhepunkt der Kurzarbeit überschritten. Für den Juli sei noch von etwa 4,5 Millionen Beschäftigten in Kurzarbeit auszugehen. Die Zahl neuer Anzeigen durch die Unternehmen sei deutlich gesunken, weshalb von einem weiteren Rückgang auszugehen sei.

Terzenbach sagte, "wir haben damit großen Schaden vom deutschen Arbeitsmarkt und der Gesellschaft genommen." Die Unternehmen planten derzeit nicht, ihre Beschäftigten zu entlassen. Die Kehrseite sei allerdings, dass bereits arbeitslos gewordene Beschäftigte es deutlich schwerer haben einen neuen Job zu finden als vor der Coronakrise.

Von den derzeit 2,9 Millionen Arbeitslosen ist laut Terzenbach jeder Fünfte auf Grund von Corona arbeitslos. Neben einem Stellenabbau seien auch weniger neue Jobs entstanden als erwartet.

Terzenbach sagte, die weitere Entwicklung hänge "von drei I" ab: Dem Infektionsgeschehen, den Investitionen und den Insolvenzen. Das weitere Infektionsgeschehen in Deutschland, aber auch weltweit, sei der bestimmende Faktor. Bei den Investitionen habe es noch nie einen so massiven Einschnitt gegeben. Insbesondere bei nachhaltigen Investitionen, etwa am Bau, herrsche noch immer "große Zurückhaltung".

Bei den Insolvenzen sei die Lage derzeit "auffällig unauffällig". Die Bundesagentur erwarte im Herbst und dann im nächsten Frühjahr einen deutlichen Anstieg. Da es eine historisch einmalige Situation sei, lasse sich aber die Entwicklung nicht prognostizieren. Die Bundesagentur bereite sich mit ihren Instrumenten auf eine mögliche Insolvenzwelle vor. "Wie deutlich und wie groß eine solche Welle werden könnte, können wir derzeit nicht absehen", sagte der BA-Vorstand.

Die Coronakrise macht sich auch deutlich im Haushalt der Bundesagentur bemerkbar. Es seien bereits 11,3 Milliarden Euro für Kurzarbeitergeld ausgegeben worden, davon alleine rund fünf Milliarden Euro für die Sozialversicherungsbeiträge. Gerechnet hatte die BA ursprünglich mit 255 Millionen Euro für das gesamte Jahr 2020.

Beim Arbeitslosengeld seien bis Juli 11,2 Milliarden Euro und damit 30 Prozent mehr geflossen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die BA bekräftigte die Erwartung, in diesem Jahr ein Defizit von bis zu 30 Milliarden Euro zu machen. Die Rücklage von 25 Milliarden Euro würde damit vollständig aufgebraucht, die Lücke muss dann der Steuerzahler schließen.


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