29.07.2020, 12:37 Uhr

Paris (AFP) NGO: Mehr als 200 Umweltaktivisten im vergangenen Jahr getötet


Bislang höchste verzeichnete Zahl - zwei Drittel der Fälle in Lateinamerika

Mehr als 200 Umweltaktivisten sind im vergangenen Jahr nach Angaben der Organisation Global Witness weltweit getötet worden. Wie aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Nichtregierungsorganisation hervorgeht, fielen mindestens 212 Aktivisten wegen ihres Einsatzes gegen Staudämme, Bergwerke, Abholzung oder andere wirtschaftliche Aktivitäten mit schädlichen Folgen für die Umwelt tödlichen Gewaltverbrechen zum Opfer; auch in der EU wurden Opfer verzeichnet.

Es sei die höchste bislang verzeichnete Zahl solcher Verbrechen, heißt es in dem Bericht von Global Witness, die seit 2012 Morde an Umweltaktivisten dokumentiert. Zudem gebe es wahrscheinlich eine hohe Dunkelziffer, da viele Fälle nicht erfasst würden. Die meisten Gewaltverbrechen gegen Umweltschützer mit tödlichem Ausgang wurden der Organisation zufolge in Lateinamerika verübt - auf diese Weltregion entfielen zwei Drittel der Fälle.

In der Liste der einzelnen Länder liegt Kolumbien mit 64 Fällen von tödlicher Gewalt gegen Umweltaktivisten vorne, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Danach folgen die Philippinen mit 43 Fällen. Rund 40 Prozent der Todesopfer waren laut Global Witness Indigene, etwa zehn Prozent waren Frauen.

Rund drei Viertel der Fälle konnten dem Bericht zufolge mit bestimmten Wirtschaftszweigen in Zusammenhang gebracht werden. Besonders betroffen seien demnach Gegner von Bergbauprojekten und der Agrarindustrie. Rund 50 der Ermordeten hatten sich gegen Bergbau engagiert, 34 gegen Agrarunternehmen - letztere besonders in Asien. In Indonesien etwa seien im Oktober des vergangenen Jahres zwei Aktivisten nahe einer Palmöl-Plantage erstochen worden. In den Philippinen seien bei Polizeieinsätzen insgesamt 23 Zuckerrohr-Bauern getötet worden.

Ausgerechnet die Industriezweige, die am stärksten den Klimawandel antreiben würden, gingen am härtesten gegen Aktivisten vor, sagte Rachel Cox von Global Witness: "Die Agrarindustrie sowie die Öl-, Gas- und Bergbau-Branche waren durchweg die größten Treiber für die Angriffe."

Aber auch in der EU gibt es dem Bericht zufolge Morde an Umweltaktivisten. In Rumänien sei eine Försterin in einem von Europas größten verbliebenen Urwäldern von Kriminellen erschossen worden, die aus dem illegalen Holzabbau ein Geschäft gemacht haben. Einen Monat zuvor sei ein Kollege der Frau mit einer Axt erschlagen worden.


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