24.07.2020, 10:55 Uhr

Bangkok (AFP) Anklage gegen Red-Bull-Erben wegen Tötung von Polizisten in Thailand fallengelassen

Das mutmaßliche Tatfahrzeug.
Quelle: AFP/Archiv/STR (Foto: AFP/Archiv/STR)Das mutmaßliche Tatfahrzeug. Quelle: AFP/Archiv/STR (Foto: AFP/Archiv/STR)

Fall gilt als eklatantes Beispiel für Zwei-Klassen-Strafrecht im Königreich

Acht Jahre lang hat die thailändische Justiz nur äußerst schleppend gegen den Enkelsohn von Red-Bull-Mitbegründer Chaleo Yoovidhya wegen der Tötung eines Polizisten ermittelt, nun ist die Anklage komplett fallengelassen worden. Eine Begründung für ihre am Freitag verkündete Entscheidung nannten die Behörden des Königreiches nicht. Der Fall gilt als eklatantes Beispiel für das Zwei-Klassen-Strafrecht in Thailand.

Der als "Boss" bekannte milliardenschwere Vorayuth Yoovidhya wird beschuldigt, 2012 mit seinem Ferrari einen Motorrad-Streifenpolizisten in Bangkok überfahren und dessen Leiche bei der Flucht noch hundert Meter mitgeschleift zu haben. Trotz schwerwiegender Beweise erließ die thailändische Justiz erst fünf Jahre nach dem Geschehen unter dem Druck der Öffentlichkeit Haftbefehl. Bis dahin reiste der zum Tatzeitpunkt 27-Jährige frei ein und aus und erschien regelmäßig auf Partys der Bangkoker "Rich-Kid"-Szene.

Mehrere der Taten, die der Anklage gegen den "Boss" zugrunde lagen, sind inzwischen verjährt. Doch der schwerwiegendste Punkt - rücksichtsloses Fahren mit Todesfolge - hätte bis 2027 geahndet werden können. Dafür drohten dem Red-Bull-Erben bis zu zehn Jahre Haft.

Der Fall war von der Öffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt worden. Er hatte das Gefühl vieler Thailänder vertieft, Opfer eines Zwei-Klassen-Strafrechts zu sein. "Reiche und einflussreiche Leute kommen nicht ins Gefängnis. In Haft kommen nur die Armen", hieß es unter anderem in Internet-Kommentaren.

Wo sich der mutmaßliche Täter derzeit aufhält, sei nicht bekannt, sagte am Freitag ein Polizeisprecher. Nachdem die Anklage nun fallengelassen worden sei, solle als nächstes der Haftbefehl zurückgezogen werden. Auch der internationale Haftbefehl werde aufgehoben.

In den vergangenen Jahren war der "Boss" immer wieder in London gesehen worden, wo er an den Partys der High Society teilnahm. Sein Großvater hatte in den 1980er Jahren zusammen mit dem Österreicher Dietrich Mateschitz Red Bull gegründet. Bei seinem Tod hinterließ Chaleo Yoovidhya der Familie Berichten zufolge seine Anteile an Red Bull sowie mehr als 20 Milliarden Dollar.


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