24.07.2020, 10:07 Uhr

Berlin (AFP) Kontroverse Debatte über verpflichtende Corona-Tests für Reise-Rückkehrer

Debatte über Corona-Tests für Reise-Rückkehrer.
Quelle: AFP/Archiv/Christof STACHE (Foto: AFP/Archiv/Christof STACHE)Debatte über Corona-Tests für Reise-Rückkehrer. Quelle: AFP/Archiv/Christof STACHE (Foto: AFP/Archiv/Christof STACHE)

Gesundheitsminister von Bund und Ländern beraten über gemeinsame Linie

Anlässlich neuer Beratungen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Freitag in Berlin wird kontrovers über verpflichtende Corona-Tests für Reiserückkehrer diskutiert. Nach Reisen in Risikogebiete "wäre es sinnvoll, das verpflichtend zu machen", sagte der Virologe Alexander Kekulé dem Bayerischen Rundfunk. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sprach sich dagegen für rein freiwillige Tests aus.

"Wenn man an einen gefährlichen Ort reist und zurückfährt, dann sollte man sich dringend testen lassen", sagte Kekulé. Als "Riesenproblem" bezeichnete der Virologe Rückreisen per Zug oder Auto, da diese nur schwer nachzuverfolgen seien.

Die Vorsitzende des Ärzteverbandes Marburger Bund, Susanne Johna, sprach sich dafür aus, Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten noch im Flugzeug zu ihren Kontakten zu befragen. Da ein Test bei der Einreise nur eine begrenzte Sicherheit biete, warb sie im SWR außerdem dafür, dass sich solche Reisende nach der Ankunft generell drei oder vier Tage in Quarantäne begeben und dann erneut getestet werden.

Auf das Problem von Reisenden, die erst in der Frühphase infiziert sein könnten, wies auch der Leiter des Gesundheitsamts Berlin-Reinickendorf, Patrick Larscheid hin. Als weiteres praktisches Problem nannte er Reisende mit Umsteigeverbindungen, bei denen die Herkunft aus einem Risikogebiet nicht erkennbar sei. Dagegen habe sich das Instrument der Quarantäne als "sehr wirkungsvoll" erwiesen, sagte er dem RBB.

Der vzbv-Vorstand Klaus Müller sagte der "Rheinischen Post": "Wir halten es für sinnvoll, dass sich alle Reiserückkehrer auf das Coronavirus testen lassen können, wenn sie dies wollen." Er setze auf das "Eigeninteresse der Urlauber, die wissen, ob sie sich an riskanten Orten aufgehalten haben." Dies gelte auch für den "Ballermann auf Mallorca" oder "eine Partymeile in Berlin". Müller rief alle Bundesländer auf, Urlaubsrückkehrern kostenlose Corona-Tests anzubieten.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) forderte im MDR verpflichtende Corona-Tests für Reisende aus Risikogebieten. "Diejenigen, die mit dem Flugzeug aus einer Krisenregion zurückkommen, in der ein großes Infektionsgeschehen ist, müssen sich unmittelbar nach der Rückkehr testen lassen", sagte er. Auch Kretschmer sprach sich dafür aus, diese Tests kostenlos anzubieten.

Dagegen verlangte der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, betroffene Urlauber sollten die Tests selbst bezahlen. "Das können nicht die Gesetzlichen Krankenversicherungen und die Solidargemeinschaft der Beitragszahler übernehmen", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Montgomery kritisierte zudem das unverantwortliche Verhalten einiger Urlauber etwa auf Mallorca.

Die Gesundheitsminister von Bund und Länder wollen bei ihren Beratungen am Freitag versuchen, sich auf ein einheitliches Vorgehen zu verständigen. Ergebnisse sollen am Nachmittag bekanntgegeben werden. Die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus kritisierte, dass solche Beratungen erst jetzt erfolgen, also lange nach Beginn der Sommer-Reisezeit.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) stuft derzeit rund 130 Staaten als Corona-Risikogebiete ein. Darunter sind auch die USA sowie traditionell beliebte Urlaubsländer wie die Türkei oder Ägypten. Keine Risiko-Gebiete sind laut dieser Liste fast alle EU-Staaten sowie einige weitere Länder, darunter die Schweiz, Kanada, Australien, Neuseeland, Südkorea, Tunesien und Jordanien.


0 Kommentare