24.07.2020, 20:31 Uhr

Bagdad (AFP) Entführte Deutsche im Irak wieder frei

Standbild eines Videos des irakischen Innenministeriums.
Quelle: IRAQI INTERIOR MINISTRY/AFP/- (Foto: IRAQI INTERIOR MINISTRY/AFP/-)Standbild eines Videos des irakischen Innenministeriums. Quelle: IRAQI INTERIOR MINISTRY/AFP/- (Foto: IRAQI INTERIOR MINISTRY/AFP/-)

Hella Mewis zu Wochenbeginn in Bagdad verschleppt - Maas dankt irakischen Behörden

Die im Irak entführte Deutsche Hella Mewis ist nach wenigen Tagen wieder frei gekommen. Sicherheitskräfte hätten die am Montag in Bagdad verschleppte Frau in der Nacht zum Freitag befreit, erklärte der irakische Militärsprecher Jahja Rasul. Außenminister Heiko Maas (SPD) dankte in Berlin den irakischen Behörden. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen ist Mewis "den Umständen entsprechend wohlauf".

Weiterhin unklar war, wer konkret hinter der Entführung steckte. "Wir ermitteln noch immer bei diesem Verbrechen", sagte ein irakischer Justizratssprecher. Militärsprecher Rasul machte diesbezüglich keine weiteren Angaben.

Aus Sicherheitskreisen in Bagdad hieß es jedoch, dass die entführte Deutsche im Zuge eines Austauschs frei kam. "Stunden nach ihrer Entführung konnten Sicherheitskräfte einen Mann festnehmen, der behauptete, einer Gruppe anzugehören, die der Hasched-al-Schaabi-Miliz nahe steht", hieß es weiter. Schließlich sei es zu einer Vereinbarung gekommen, bei der Mewis im Tausch gegen diesen Mann freigelassen worden sei.

Die Deutsche wurde nach Angaben des irakischen Innenministeriums in einem verlassenen Gebäude gefunden. Aus Sicherheitskreisen hieß es, sie habe sich in Sadr City befunden, einem dicht besiedelten Bezirk im Osten der Stadt, in dem Sicherheitskräfte seit Jahren vergeblich versuchen für Ordnung zu sorgen.

Mewis war am Montagabend vor ihrem Büro im Zentrum der irakischen Hauptstadt in ein Auto gezerrt und verschleppt worden. An der Entführung beteiligt waren zwei Fahrzeuge, bei einem handelte es sich um einen weißen Pickup. Nach Angaben aus irakischen Sicherheitskreisen ereignete sich die Entführung in der Nähe einer Polizeiwache in Bagdad, ohne dass die Polizisten eingegriffen hätten.

Außenminister Maas äußerte sich in Berlin erleichtert: "Ich bin sehr erleichtert, dass die am Montag in Bagdad entführte deutsche Staatsangehörige seit heute Morgen wieder in Freiheit ist", erklärte er am Freitagmittag. "Sie wurde vor wenigen Minuten von den irakischen Behörden in die Obhut unserer Botschaft in Bagdad übergeben."

Maas dankte der irakischen Regierung und den irakischen Sicherheitsbehörden, "die uns in dieser Zeit umfassend unterstützt und entscheidend dazu beigetragen haben, dass dieser Fall ein gutes Ende genommen hat".

Am Abend veröffentlichte das irakische Innenministerium ein Video, in dem die sichtlich erschöpfte Mewis gemeinsam mit irakischen Behördenvertretern und deutschen Diplomaten zu sehen war.

Mewis arbeitete seit 2013 in Bagdad und leitete Kunst-Programme für das irakische Kunst-Kollektiv Tarkib, die teils auch vom deutschen Goethe-Institut unterstützt wurden. Sie war eine der wenigen Ausländer, die außerhalb der sogenannten Grünen Zone leben, in der sich die meisten diplomatischen Vertretungen befinden.

Ihre Freundin Dhikra Sarsam konnte nach eigenen Angaben mit Mewis nach deren Befreiung sprechen. "Sie sagte mir, dass es ihr gut gehe und sie nicht misshandelt worden sei", sagte Sarsam der Nachrichtenagentur AFP. Sie werde so schnell wie möglich nach Deutschland fliegen.

Sarsam zufolge war Mewis seit der Ermordung des irakischen Politikexperten Hischam al-Haschemi besorgt gewesen. Der international bekannte Al-Haschemi hatte sich mit den regierungskritischen Protesten im Irak solidarisiert. Auch Mewis war nach Angaben ihrer Freundin bei den Protesten des vergangenen Jahres engagiert. Am Rande der wochenlangen Proteste waren immer wieder Aktivisten von Unbekannten verschleppt oder ermordet worden.

Zuletzt war die Zahl der Entführungen von Ausländern im Irak wieder gestiegen. An Silvester waren zwei französische Journalisten 36 Stunden lang in Geiselhaft genommen worden. Drei französische Mitarbeiter einer Nichtregierungsorganisation wurden zwei Monate lang festgehalten. In beiden Fällen wurde nicht geklärt, wer hinter den Entführungen steckte.


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