18.07.2020, 17:55 Uhr

Washington (AFP) US-Kongressabgeordneter und Bürgerrechtler John Lewis gestorben

John Lewis.
Quelle: GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv/CHIP SOMODEVILLA (Foto: GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv/CHIP SOMODEVILLA)John Lewis. Quelle: GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv/CHIP SOMODEVILLA (Foto: GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv/CHIP SOMODEVILLA)

Mitstreiter von Martin Luther King Jr. als "Helden" und "Ikone" gewürdigt

Der US-Kongressabgeordnete und Bürgerrechtler John Lewis ist tot. Lewis starb im Alter von 80 Jahren, wie das US-Repräsentantenhaus in Washington am Freitag (Ortszeit) mitteilte. In den 1960er Jahren gehörte Lewis zu den bekanntesten Mitstreitern von Martin Luther King Jr.; sie kämpften für die Gleichstellung der schwarzen Bevölkerung in den USA. Vertreter von Demokraten und Republikanern würdigten Lewis als mutigen Kämpfer für Bürgerrechte und gegen Rassismus.

Mit Lewis sei einer "der größten Helden in der amerikanischen Geschichte" gestorben, erklärte die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Der Politiker der Demokratischen Partei sei ein "Titan der Bürgerrechtsbewegung gewesen, dessen Güte, Vertrauen und Mut unsere Nation verändert hat". Der verstorbene Bürgerrechtler sei das "Gewissen des Kongresses" gewesen. Pelosi ordnete an, die Flaggen des Kapitols auf Halbmast zu setzen.

Auch das Weiße Haus in Washington würdigte Lewis. "Der Abgeordnete John Lewis war eine Ikone der Bürgerrechtsbewegung, und er hinterlässt ein bleibendes Vermächtnis, das nie vergessen werden wird", schrieb die Sprecherin von US-Präsident Donald Trump, Kayleigh McEnany, im Online-Dienst Twitter. "In unseren Gebeten sind wir bei seiner Familie."

Trump, der wiederholt mit Lewis aneinandergeraten war, teilte in einer Erklärung mit, die Flaggen am Weißen Haus, anderen öffentlichen Gebäuden und Botschaften für einen Tag auf Halbmast setzen zu lassen als "Zeichen des Respekts" angesichts der "langjährigen öffentlichen Dienste" von Lewis.

Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, würdigte Lewis als "einen Pionier der Bürgerrechte, der sein Leben aufs Spiel setzte, um Rassismus zu bekämpfen, Gleichberechtigung zu fördern und unsere Nation in einen größeren Einklang mit ihren Gründungsprinzipien zu bringen".

Lewis war 21 Jahre alt, als er die Bürgerrechtsgruppe Freedom Ride mitbegründete, die in den frühen 1960er Jahren gegen die Rassentrennung im US-Verkehrssystem kämpfte. Auf der Kundgebung in Washington, bei der Martin Luther King Jr. 1963 seine weltberühmte "I have a Dream"-Rede hielt, war Lewis der jüngste Anführer der Bürgerrechtsbewegung.

Zwei Jahre später wäre Lewis bei einem brutalen Polizeiangriff auf die Teilnehmer eines Friedensmarsches von der Stadt Selma nach Montgomery im Bundesstaat Alabama fast gestorben. Lewis erlitt an dem Tag, der als "Bloody Sunday" in die US-Geschichte einging, einen Schädelbruch. Fünfzig Jahre später - im Jahr 2015 - kehrte er gemeinsam mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama nach Selma zurück und erinnerte an die Geschehnisse von 1965.

Obama schrieb am Samstag beim Kurzbotschaftendienst Twitter: "Nicht viele von uns dürfen erleben, wie ihr eigenes Vermächtnis auf solch bedeutsame Weise seine Kreise zieht. John Lewis schon", schrieb Obama. "Er liebte sein Land so sehr, dass er sein Leben riskierte, damit es seinen Versprechen gerecht werden konnte."

Lewis kämpfte zuletzt gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs, der Ende 2019 bei ihm diagnostiziert wurde. Er vertrat die Demokratische Partei seit Jahrzehnten im US-Kongress, zog sich wegen seiner Erkrankung aber in den vergangenen Monaten aus dem politischen Leben zurück.

Anfang Juni kehrte er inmitten der Anti-Rassismus-Demonstrationen in den USA noch einmal in die Öffentlichkeit zurück und zeigte sich auf der in "Black Lives Matter Plaza" umbenannten Kreuzung in Washington.


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