17.07.2020, 08:34 Uhr

New York (AFP) UNO fordert zusätzliche 3,6 Milliarden Dollar an Corona-Hilfen

UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock.
Quelle: AFP/Archiv/Johannes EISELE (Foto: AFP/Archiv/Johannes EISELE)UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock. Quelle: AFP/Archiv/Johannes EISELE (Foto: AFP/Archiv/Johannes EISELE)

UN-Nothilfekoordinator kritisiert Untätigkeit reicher Länder

Die Vereinten Nationen haben zusätzliche 3,6 Milliarden Dollar (rund 3,2 Milliarden Euro) an Hilfen im Kampf gegen die Corona-Pandemie gefordert und reichen Länder mangelnde Unterstützung armer Weltregionen vorgeworfen. "Es besteht die ernste Gefahr von mehrfachen Hungersnöten im Laufe dieses Jahres und zu Beginn des kommenden Jahres. Wir müssen jetzt investieren, um das zu verhindern", sagte UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock am Donnerstag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz in New York.

"Die bisherige Reaktion der wohlhabenden Nationen auf die Lage in anderen Ländern war völlig unzureichend", kritisierte Lowcock. Mit der neuen Forderung und dem damit dritten Spendenaufruf der Vereinten Nationen erhöht sich die Gesamtsumme der geforderten Corona-Hilfen auf 10,3 Milliarden Dollar. Seit der Vorstellung des Krisenplans im März sind nach UN-Angaben jedoch bislang nur 1,7 Milliarden Dollar bereitgestellt worden.

Neben der Bekämpfung der Hungersnöte, die sich durch die von der Pandemie ausgelösten Wirtschaftskrise verschärft haben, sollen mit den zusätzlichen Mitteln etwa medizinische Ausrüstung, Informationskampagnen sowie Hilfslieferungen nach Afrika, Asien und Lateinamerika finanziert werden.

Neben Somalia, Südsudan, Jemen und Nigeria, die bereits von Nahrungsmittelknappheit betroffen seien, äußerte sich Lowcock zunehmend besorgt über die Lage im Sudan, in Simbabwe sowie in Haiti. Die UNO rechnet in den kommenden Monaten mit einem Höhepunkt der Pandemie in den ärmsten Ländern der Welt. Wenn das Virus nicht unter Kontrolle gebracht werde, könnten nach UN-Prognosen 1,67 Millionen Menschen in 30 einkommensschwachen Ländern sterben.

Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision unterstützte die Forderung nach einer Aufstockung der Hilfsgelder. "Wir sehen jetzt schon einen drastischen Anstieg bei der Zahl hungernder Kinder aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19. Insgesamt könnten bis zu 110 Millionen Kinder von Hunger bedroht werden", erklärte Isabel Gomes, Leiterin der globalen Hilfseinsätze von World Vision.

Die Organisation forderte, die Mittel des globalen Hilfsplans für die ärmsten Länder müssten praxisnah, transparent und gerecht an UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen verteilt werden. Bislang seien nur fünf Prozent der erhaltenen Mittel an nicht-staatliche Hilfsorganisationen gegangen.


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