16.07.2020, 21:43 Uhr

Brüssel (AFP) Serbien und Kosovo führen erstmals wieder Gespräche in Brüssel

Hoti (l.) und Vucic.
Quelle: AFP/Archiv/Armend NIMANI, ANDREJ ISAKOVIC (Foto: AFP/Archiv/Armend NIMANI, ANDREJ ISAKOVIC)Hoti (l.) und Vucic. Quelle: AFP/Archiv/Armend NIMANI, ANDREJ ISAKOVIC (Foto: AFP/Archiv/Armend NIMANI, ANDREJ ISAKOVIC)

Vucic beschuldigt Hoti unrealistischer Forderungen

Nach anderthalb Jahren haben Serbien und Kosovo am Donnerstag erstmals wieder direkte Gespräche unter EU-Vermittlung geführt. Der serbische Präsident Aleksandar Vucic warf dem kosovarischen Ministerpräsidenten Avdullah Hoti nach dem Treffen in Brüssel vor, unrealistische Forderungen zu stellen. Er wolle die Streitigkeiten mit dem Kosovo beilegen, sagte Vucic. "Aber es ist offensichtlich, dass die Unterschiede in allen wichtigen und strategischen Fragen im Moment zu groß sind."

Das Kosovo hatte sich 2008 von Serbien losgesagt. Anders als die meisten EU-Länder erkennt Serbien die Unabhängigkeit bis heute nicht an. Die EU macht dies aber zur Vorbedingung für einen Beitritt des Landes. Die von der EU vermittelten Gespräche für eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Belgrad und Pristina lagen seit Ende 2018 auf Eis.

Vucic warf Hoti nach dem Treffen vor, dieser sei nicht zum Reden nach Brüssel gekommen, sondern um Serbien zu "erpressen". "Ist es angenehm, Hoti gegenüberzusitzen und dem Geschwafel zuzuhören, wonach sie die Opfer sind und wir die Bösen? Nein", sagte Vucic. Die Vertreter des Kosovo wollten alles "über Nacht lösen und versuchen Serbien dazu zu bringen, alles zu akzeptieren, was sie wollen."

Hoti zog hingegen ein positiveres Fazit: In Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung seien Fortschritte erzielt worden, erklärte er im Anschluss.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hatte im Vorfeld gesagt, er erwarte "eine konstruktive Diskussion", um einen Beitrag zur Normalisierung der Beziehungen zu erreichen. Er forderte dabei Kompromissbereitschaft und Pragmatismus von beiden Seiten.

Von EU-Seite nahm neben Borrell der Westbalkan-Beauftragte Miroslav Lajcak an den Beratungen teil. In einer Video-Konferenz am Sonntag hatten sich beide Seiten auf das persönliche Treffen geeinigt. Am vergangenen Freitag hatten bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron in einem Video-Gipfel zwischen Hoti und Vucic vermittelt.


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