16.07.2020, 19:20 Uhr

Brüssel (AFP) Bettel kritisiert Reisebeschränkungen gegenüber Luxemburg wegen Corona

Luxemburgs Regierungschef Bettel.
Quelle: AFP/Aris Oikonomou (Foto: AFP/Aris Oikonomou)Luxemburgs Regierungschef Bettel. Quelle: AFP/Aris Oikonomou (Foto: AFP/Aris Oikonomou)

Regierungschef führt Fallzahlen auf mehr Tests als in Deutschland zurück

Luxemburgs Regierungschef Xavier Bettel hat Reisebeschränkungen Deutschlands und anderer EU-Länder für das Großherzogtum wegen der Corona-Pandemie kritisiert. Die Infektionszahlen in Luxemburg seien das Ergebnis konsequenter Tests, sagte Bettel der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag. Trotz der dadurch gestiegenen Fallzahlen liege die Sterblichkeit "ungefähr so hoch wie in Deutschland. Aber niemand sagt, Deutschland ist eine mögliche Gefahr". Bettel kündigte an, die aus seiner Sicht unsolidarischen Reisebeschränkungen beim EU-Gipfel am Freitag anszusprechen.

Das Auswärtige Amt warnt derzeit vor nicht notwendigen Reisen nach Luxemburg. Begründet wird dies damit, dass in Luxemburg die Zahl der Neuinfizierten in den vergangenen sieben Tagen den Wert von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner überschritten hat. Auch andere EU-Länder haben deshalb Beschränkungen erlassen. Dänemark hat Bewohnern Luxemburgs die Einreise verboten, Belgien warnt vor größter Vorsicht bei Reisen in das Großherzogtum.

In Luxemburg mit rund 626.000 Einwohnern gab es bisher gut 5100 festgestellte Infektionsfälle. 111 Menschen starben bislang. "Wir testen 20 Mal mehr als Frankreich, 20 Mal mehr als Belgien, mehr als zehn Mal mehr als Deutschland", sagte Bettel. Damit befolge das Land Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO und der EU-Krankheitsbekämpfungsbehörde ECDC, um die Ausbreitung des Virus schnell zu stoppen.

"Einige betrachten uns deshalb als problematisch, aber wenigsten schütze ich meine Bevölkerung", sagte Bettel. Die Botschaft könne jedoch nicht sein, besser nicht zu testen, "weil man dann Kranke hat, Sanktionen auferlegt bekommt und auf die Liste der gefährlichen Länder gesetzt wird". Dies sei "nicht der solidarische Geist, den ich von meinen Kollegen erwarte", sagte er mit Blick auf den Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Brüssel. "Das werde ich ihnen morgen ohne Probleme sagen."


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