15.07.2020, 12:54 Uhr

Berlin (AFP) Kultusministerkonferenz verabschiedet Rahmenplan für Hygienemaßnahmen in Schulen

Nur allgemeine "Orientierungshilfe" - Keine detaillierten Vorgaben

Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) hat einen Rahmenplan für Hygienemaßnahmen an Schulen für das kommende Schuljahr beschlossen. Dieser solle bundesweit einheitlich gelten und den Ländern als "Orientierungshilfe" bei der Formulierung ihrer Vorgaben für den Schulbetrieb während der Corona-Pandemie dienen, teilte die KMK am Mittwoch in Berlin mit. Auf Detailregelungen sei aber "vor dem Hintergrund spezifischer Gegebenheiten vor Ort bewusst verzichtet" worden.

Der Rahmenplan sieht laut KMK unter anderem vor, bei schulischen Veranstaltungen außerhalb des eigentlichen Unterrichts möglichst einen Mindestabstand von eineinhalb Metern einzuhalten und Schüler mit verdächtigen Symptomen vom Unterricht auszuschließen. Zudem sollen Schulgebäude regelmäßig gereinigt und gelüftet sowie allgemeine Vorsichtsmaßnahmen wie Händewaschen eingehalten werden. Der Plan empfiehlt außerdem die Benutzung der offiziellen Corona-Warn-App.

Der Deutsche Lehrerverband forderte weitreichendere Konzepte. Es brauche "deutlich umfassendere Innovationen in grundlegenden pädagogischen, technischen, gesundheitsrelevanten und schulorganisatorischen Rahmenbedingungen" als nur die vorgestellten KMK-Hygienestandards, erklärte der Verband, der selbst einen Zehn-Punkte-Plan für den künftigen Unterricht vorlegte.

"Ziel ist der digital unterstützte Präsenzunterricht als Regelfall", erklärte der Lehrerverband. Moderner Unterricht verlange den Einsatz von digitalen Medien, die Schulen und die Lehrer müssten darauf in den Ferien vorbereitet werden. Im Notfall könne dieser "digital unterstützte Präsenzunterricht" durch Fernunterricht phasenweise ersetzt werden. Der Verband forderte auch, die Voraussetzungen für wöchentliche freiwillige Corona-Tests zu schaffen.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warf derweil Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) Konzeptlosigkeit bei der geplanten weitgehenden Öffnung von Schulen nach den Sommerferien vor. Wenn es im Herbst wieder mehr Corona-Infektionen gebe, "wird es schwierig", sagte Lauterbach der "Welt" vom Mittwoch. Karliczek sage "immer nur, man werde Lösungen von Schule zu Schule finden". Das sei jedoch zu wenig.

"Ich hätte mir gewünscht, dass man im Sommer ein nationales Konzept entwickelt", sagte Lauterbach. Zum Konzept könnten nach Ansicht des SPD-Politikers ausgedünnte Klassen, ein über den ganzen Tag gestreckter Unterricht und Onlineunterricht gehören.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes,Gerd Landsberg, rechnet nicht mit normalem Unterricht nach den Ferien. "Es wird nach den Sommerferien kein Schulbetrieb wie vor der Corona-Pandemie geben können", sagte Landsberg der "Passauer Neuen Presse". Besondere Hygienemaßnahmen seien erforderlich. Dazu gehörten kleinere Lerngruppen, gute Durchlüftung der Räume, mehr Raumkapazität und möglicherweise auch zusätzliches Personal.

Die Schulen waren wegen der Corona-Pandemie wochenlang ganz geschlossen, es fand nur Online-Unterricht statt. In den vergangenen Wochen konnten die Schüler zumindest zeitweise wieder in die Schulen zurückkehren. Nach den Sommerferien streben die Bundesländer eine Rückkehr zum Regelbetrieb an.


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