14.07.2020, 17:07 Uhr

London (AFP) Großbritannien schließt chinesischen Ausrüster Huawei von 5G-Ausbau aus

Huawei: "Schlechte Nachricht für jeden mit einem Mobiltelefon in Großbritannien"

Großbritannien schließt den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei vom weiteren Aufbau seines 5G-Mobilfunknetzes aus. Ab Ende dieses Jahres dürften Mobilfunkanbieter keine 5G-Ausrüstung mehr von Huawei kaufen, sagte der britische Digitalminister Oliver Dowden vor dem Parlament in London. Zudem sollen alle bereits verwendeten Komponenten des chinesischen Herstellers bis zum Jahr 2027 aus dem Netz entfernt werden. Huawei kritisierte die Entscheidung scharf und warf der britischen Regierung vor, unter dem Druck der USA eingeknickt zu sein.

Dowden äußerte sich am Dienstag nach Beratungen der britischen Regierung mit dem Nationalen Sicherheitsrat unter dem Vorsitz von Premierminister Boris Johnson. Es handle sich bei der Absage an Huawei-Ausrüstung für den weiteren 5G-Aufbau um das "beste Mittel", um die Sicherheit des Netzes zu gewährleisten, sagte Dowden.

Die britische Regierung hatte dem chinesischen Technologieriesen noch im Januar erlaubt, bis zu 35 Prozent der strategisch zweitrangigen Infrastruktur für das 5G-Netz zu bauen. Britische Mobilfunkanbieter verwenden seit fast 20 Jahren Huawei-Technologie. Zuletzt verstärkte jedoch die Regierung von US-Präsident Donald Trump den Druck auf London massiv, Huawei vom weiteren Ausbau des Netzes auszuschließen. Die US-Regierung wirft Huawei eine zu große Nähe zu den chinesischen Behörden vor.

Laut Dowden spielten bei der Entscheidung auch im Mai verkündete neue US-Sanktionen gegen den chinesischen Konzern eine Rolle. Deren Ziel war es, Huawei bei der Entwicklung von Halbleitern mit US-Technologie zu behindern. Dazu kündigte Washington an, gezielt gegen den Aufkauf von Halbleitern durch Huawei vorzugehen, die auf US-Technologie basieren. So sollte verhindern werden, dass Huawei die Exportkontrollen der US-Regierung unterlaufe.

Großbritannien will laut Digitalminister Dowden für den 5G-Aufbau künftig auf andere Partner setzen. Mit dem südkoreanischen Unternehmen Samsung und dem japanischen Konzern NEC liefen bereits Gespräche.

Huawei zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung Großbritanniens und appellierte an die Regierung, den Schritt nochmals zu überdenken. Bei diesem sei es nicht um Sicherheit gegangen, sondern um Handelspolitik der USA, erklärte der Sprecher von Huawei in Großbritannien, Ed Brewster. Die Absage sei eine "schlechte Nachricht für jeden mit einem Mobiltelefon in Großbritannien". Der Sprecher warnte vor steigenden Preisen in der Telekommunikation und einem Rückschlag für die digitale Entwicklung.

Das Weiße Haus dagegen begrüßte die Entscheidung aus London. Sie zeige, dass es einen "wachsenden internationalen Konsens" darüber gebe, dass Huawei und andere nicht vertrauenswürdige Unternehmen eine "Bedrohung für die nationale Sicherheit" darstellten, weil sie der kommunistischen Partei Chinas verpflichtet seien, schrieb die US-Präsidentschaft im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Huawei ist einer der weltweit größten Telekommunikationsausrüster und führend bei der 5G-Technologie. In zahlreichen Ländern, darunter auch Deutschland, gibt es aber Sorgen, dass Huawei-Technik ein Einfallstor für chinesische Spionage oder Sabotage sein könnte.

Die USA haben Huawei deshalb vom Aufbau ihrer 5G-Mobilfunknetze ausgeschlossen und üben Druck auf europäische Staaten aus, dies ebenfalls zu tun. Washington droht andernfalls damit, den Austausch von Geheimdienstinformationen mit den Partnerstaaten zu begrenzen.


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