01.07.2020, 09:43 Uhr

Nürnberg (AFP) Arbeitslosigkeit nimmt weiter zu - Anstieg verlangsamt

40.000 Arbeitslose mehr im Juni

In der Corona-Krise steigt die Zahl der Arbeitslosen weiter - wenn auch langsamer als zu Beginn. Im Juni waren 40.000 mehr Menschen ohne Job als im Mai, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg bekannt gab. Die Arbeitslosenquote stieg demnach um 0,1 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent. Die BA betont die große Bedeutung der Kurzarbeit in der aktuellen Lage.

Insgesamt waren den Angaben zufolge im Juni 2.853.000 Menschen arbeitslos gemeldet. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Corona-Krise hat sich damit weiter verlangsamt. Im Mai war die Zahl der Arbeitslosen noch um 169.000 gegenüber April geklettert; von März auf April waren es sogar 308.000.

"Der Arbeitsmarkt ist wegen der Corona-Pandemie weiterhin unter Druck", erklärte BA-Vorstandschef Detlef Scheele. "Der massive Einsatz von Kurzarbeit stabilisiert aber den Arbeitsmarkt."

Die jüngsten Angaben der BA für Kurzarbeit beziehen sich auf den Monat April. Laut vorläufigen hochgerechneten Daten bezogen demnach 6,83 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Im März waren es 2,49 Millionen. "Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit lag damit weit über den Werten zur Zeit der Großen Rezession 2008/2009", erklärte die BA.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ging laut BA von März auf April saisonbereinigt deutlich zurück - um 276.000. "Ein Großteil hiervon geht im Zusammenhang mit den Corona-bedingten Schließungen von Gaststätten und Hotels auf das Gastgewerbe zurück", erläuterte die Behörde.

Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften wiederum war der Behörde zufolge zu Beginn der Corona-Krise sehr stark zurückgegangen und stabilisiert sich inzwischen auf niedrigem Niveau. Im Juni waren 570.000 offene Arbeitsstellen bei der BA gemeldet, 227.000 weniger als vor einem Jahr.

Die Linke-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann erklärte, die aktuellen Zahlen zeigten "deutlich den politischen Handlungsbedarf auf". Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld seien zu niedrig, um damit über die Runden zu kommen, beklagte sie.

"Das Kurzarbeitergeld muss sofort auf 90 Prozent des Nettoentgelts erhöht werden und für Beschäftigte, die nur den gesetzlichen Mindestlohn erhalten, auf 100 Prozent", forderte Zimmermann. Das Arbeitslosengeld I müsse von 60 Prozent auf 68 Prozent des Nettoentgelts steigen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte die Möglichkeit, Kurzarbeitergeld länger zu beziehen. "Große Teile der Wirtschaft werden schließlich trotz Lockerungen auch in den kommenden Monaten und im nächsten Jahr noch an den Folgen der Pandemie leiden", argumentierte Vorstandsmitglied Anja Piel. Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes solle der Gesetzgeber "unbedingt" mit Weiterbildungsmöglichkeiten verbinden.

Auch der Maschinenbau-Verband VDMA sprach sich für eine Verlängerung der Bezugsdauer des Kurzarbeitergelds aus. "Auch wenn es hier und da Licht am Ende des Tunnels gibt - der Tunnel ist lang", erklärte VDAM-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Mehr als die Hälfte der Maschinenbauunternehmen erwarten demnach eine Rückkehr zum Vor-Corona-Umsatzniveau nicht vor 2022.

Zudem brauche es Zeit, bis die Anstrengungen zur Bewältigung des vielfältigen Strukturwandels neues Wachstum und sichere Arbeitsplätze bringen, erklärte Wiechers. "Eine Verlängerung der Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes wäre deshalb nicht nur sinnvoll, sondern dringend notwendig."


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