30.06.2020, 20:24 Uhr

Washington (AFP) US-Mediziner Fauci warnt vor 100.000 Corona-Infektionen pro Tag


Präsidentschaftskandidat Biden will keine Wahlkampfveranstaltungen abhalten

Der US-Mediziner und Präsidentenberater Anthony Fauci hat vor einem massiven Anstieg der Coronavirus-Infektionen gewarnt. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen in den USA könne von derzeit mehr als 40.000 auf 100.000 ansteigen, sagte Fauci am Dienstag bei einer Anhörung im US-Senat. Derweil kündigte der designierte Präsidentschaftskandidat Joe Biden an, wegen der Pandemie keine Wahlkampfauftritte vor großem Publikum abhalten zu wollen.

Die Coronavirus-Krise hat sich in den USA zuletzt wieder verschärft: Mehr als die Hälfte der US-Bundesstaaten verzeichnet derzeit einen raschen Anstieg von Ansteckungen, einige Regionen erleben gar Rekordzahlen. "Ich bin sehr besorgt und ich bin nicht zufrieden mit dem, was passiert, weil wir in die falsche Richtung gehen", sagte Fauci vor dem Senat. "Wir haben die Lage derzeit eindeutig nicht komplett unter Kontrolle."

Mit Blick auf das Emporschnellen der Infektionszahlen sagte der Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten: "Ich wäre nicht überrascht, wenn wir 100.000 pro Tag erreichen, wenn sich das (der Trend) nicht umkehrt. Deswegen bin ich sehr besorgt."

Das Mitglied der Coronavirus-Taskforce der US-Regierung hatte bereits vergangene Woche gewarnt, die USA hätten "in bestimmten Gebieten ein ernstes Problem". Der renommierte Mediziner kritisierte nun unter anderem jüngere Menschen, die mit einem "gefährlichen" Verhalten zur Ausbreitung des Virus beitrügen - etwa indem sie in volle Bars gingen, keine Schutzmasken trügen und die Abstandsregeln nicht einhielten.

Von dem Anstieg der Infektionszahlen sind viele Staaten im Süden und Westen der USA betroffen. Angesichts der Entwicklung verdoppelte New York nun die Zahl der Bundesstaaten, deren Bewohner sich bei einem Besuch in Quarantäne begeben müssen. Wie New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo am Dienstag sagte, gilt die zweiwöchige Quarantäne fortan auch für Besucher aus Kalifornien, Nevada, Georgia, Iowa, Idaho, Louisiana, Mississippi und Tennessee. Die Maßnahme betrifft damit insgesamt 16 Bundesstaaten.

Vergangene Woche war die Quarantäne für Besucher aus Alabama, Arkansas, Arizona, Florida, South Carolina, North Carolina, Utah und Texas angeordnet worden. Der Bundesstaat New York stimmt sich bei der Maßnahme mit den Nachbarstaaten New Jersey und Connecticut ab. Die Region im Nordosten der USA war anfangs das Epizentrum der Pandemie in dem Land. Zuletzt hat sich die Lage dort aber entspannt.

In den USA wurden bereits mehr als 2,6 Millionen Coronavirus-Infektionen und mehr als 126.000 Todesfälle bestätigt. Das sind die mit Abstand höchsten Zahlen der Welt.

Kritiker machen US-Präsident Donald Trump für die verheerenden Auswirkungen der Pandemie mitverantwortlich. Der Republikaner hatte die Gefahr durch das Virus lange Zeit kleingeredet - und drängte dann auf eine rasche Lockerung der Corona-Beschränkungen, um im Wahljahr 2020 die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Sein Herausforderer bei der Wahl am 3. November, der Demokrat Biden, kündigte am Dienstag den Verzicht großer Wahlkampfveranstaltungen an. "Dies ist wohl der ungewöhnlichste Wahlkampf in der jüngeren US-Geschichte", sagte der frühere Vizepräsident bei einer Rede in seinem Wohnort Wilmington im Bundesstaat Delaware. Er werde dem Rat der Ärzte folgen und keine größeren Veranstaltungen abhalten.

Der in Umfragen führende Biden positioniert sich damit als Gegenpol zu Trump, der vor zehn Tagen mit einem viel kritisierten Auftritt vor tausenden Anhängern die Rückkehr zu Wahlkampfveranstaltungen eingeläutet hatte.


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