27.06.2020, 00:15 Uhr

München (AFP) Merkel setzt wenig Hoffnung in Post-Brexit-Gespräche

Merkel setzt wenig Hoffnung in Brexit-Gespräche.
Quelle: POOL/AFP/HANNIBAL HANSCHKE (Foto: POOL/AFP/HANNIBAL HANSCHKE)Merkel setzt wenig Hoffnung in Brexit-Gespräche. Quelle: POOL/AFP/HANNIBAL HANSCHKE (Foto: POOL/AFP/HANNIBAL HANSCHKE)

Kanzlerin: Ohne Gleichheit der Regeln "weniger eng verflochtene Wirtschaft"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihre Erwartungen an die Gespräche der EU mit Großbritannien über die Zeit nach dem Brexit deutlich zurückgeschraubt. "Natürlich läge es im Interesse Großbritanniens und aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union, einen geregelten Austritt hinzubekommen", sagte Merkel in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Wochenendausgabe). "Das setzt aber voraus, dass beide Seiten das wollen", sagte sie.

Die Regierung von Premierminister Boris Johnson wolle selbst festlegen, in welcher Stellung das Land zur EU stehen wolle. "Sie muss dann natürlich auch mit den Folgen leben - also mit einer weniger eng verflochtenen Wirtschaft", betonte Merkel. Wenn Großbritannien bei Umwelt, Arbeitsmarkt oder Sozialstandards keine vergleichbaren Regeln haben wolle, "dann werden unsere Beziehungen weniger intensiv sein", stellte die Kanzlerin klar.

"Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass wir es sind, die definieren, was Großbritannien wollen sollte", sagte die Kanzlerin. "Großbritannien definiert – und wir geben als EU-27 die geeignete Antwort."

Seit dem 1. Februar ist Großbritannien kein EU-Mitglied mehr. Bis Jahresende bleiben die Briten aber noch im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion. Die Übergangsphase soll dazu dienen, ein Handelsabkommen auszuarbeiten. Doch nach vier Monaten stecken die Verhandlungen fest. Ein Scheitern ist nicht ausgeschlossen. Die Verhandlungen über ein Handelsabkommen nach dem Brexit sind eines der zentralen Themen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, die am 1. Juli beginnt.


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