26.06.2020, 09:23 Uhr

Moskau (AFP) Russischer Starregisseur Serebrennikow in umstrittenen Betrugsfall verurteilt

Kirill Serebrennikow im Gerichtssaal.
Quelle: AFP/Alexander NEMENOV (Foto: AFP/Alexander NEMENOV)Kirill Serebrennikow im Gerichtssaal. Quelle: AFP/Alexander NEMENOV (Foto: AFP/Alexander NEMENOV)

Verfahren sorgte in Russland und international für Kritik

Ein Gericht in Moskau hat den Starregisseur Kirill Serebrennikow wegen angeblicher Unterschlagung öffentlicher Gelder schuldig gesprochen. Serebrennikow und zwei Mitangeklagte hätten "einen Betrug in besonders großem Ausmaß begangen", sagte der Richter bei der Verlesung des Urteilsspruchs am Freitag. Das Strafmaß gab er noch nicht bekannt. Das Verfahren hatte in Russland und international für Kritik gesorgt.

Der 50-jährige Serebrennikow soll laut Anklageschrift zusammen mit Kollegen eine kriminelle Vereinigung gebildet und umgerechnet mehr als 1,7 Millionen Euro an staatlichen Geldern unterschlagen haben, die für ein Theaterprojekt gedacht waren. Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag sechs Jahre Gefängnis für den prominenten Regisseur gefordert.

Serebrennikow hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und die Anklage als "absurd" bezeichnet. Das Geld sei korrekt verwendet worden.

Serebrennikow war im August 2017 festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden. Erst im April 2019 durfte der Regisseur seine Moskauer Wohnung wieder unbeschränkt verlassen, ihm wurde allerdings ein Ausreise-Verbot auferlegt.

Das Vorgehen der Justiz gegen den bekannten Regisseur wurde als politisch motiviert kritisiert. Russische und internationale Künstler protestierten gegen den Strafprozess gegen Serebrennikow, darunter der deutsche Regisseur Volker Schlöndorff und die Schauspielerin Nina Hoss.

2012 hatte Serebrennikow die Leitung des kleinen, staatlich geförderten Gogol-Zentrums in Moskau übernommen und es zu einem der angesagtesten Theater der Stadt gemacht. Obszöne Sprache und Nacktheit auf der Bühne sowie die moderne Umsetzung alter Klassiker brachten ihm jedoch auch Ärger konservativer Kreise ein.


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