25.06.2020, 14:15 Uhr

Houston (AFP) Corona-Krise in den USA spitzt sich wieder zu

Coronavirus-Test bei einem Mann in Miami Beach in Florida.
Quelle: AFP/CHANDAN KHANNA (Foto: AFP/CHANDAN KHANNA)Coronavirus-Test bei einem Mann in Miami Beach in Florida. Quelle: AFP/CHANDAN KHANNA (Foto: AFP/CHANDAN KHANNA)

Zahl neuer Infektionen nahe Rekordhoch - Starke Zunahme der Fälle im Süden

Die Corona-Krise in den USA verschärft sich erneut dramatisch. In dem Land wurden laut Zahlen der Johns-Hopkins-Universität binnen 24 Stunden 35.900 neue Infektionsfälle verzeichnet - fast so viele wie zum bisherigen Höhepunkt der Krise im April. Zuletzt verzeichnete rund die Hälfte der 50 US-Bundesstaaten deutlich steigende Ansteckungsraten. Besonders deutlich ist die Zunahme der Infektionen im Süden des Landes.

So registrieren die Bundesstaaten Texas und Florida derzeit ihre höchsten Infektionsraten seit Beginn der Krise. Beobachter führen dies unter anderem auf eine voreilige Lockerung der Corona-Beschränkungen zurück. Der texanische Gouverneur Greg Abbott appellierte an die Einwohner, möglichst zu Hause zu bleiben und beim Verlassen ihrer Häuser Atemschutzmasken zu tragen.

Die Bundesstaaten New York, New Jersey und Connecticut ordneten derweil an, dass Reisende aus besonders betroffenen Regionen für zwei Wochen in Quarantäne müssen. Das gilt unter anderem für Alabama, Arkansas, Arizona, Florida, South Carolina und Texas. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von 2000 Dollar sowie 5000 Dollar im Wiederholungsfall, wie New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo sagte.

Der Schritt zeigt, wie sich die Coronavirus-Krise in den USA regional verlagert hat: Lange Zeit waren der Bundesstaat New York und die gleichnamige Millionenstadt das Epizentrum der Pandemie, dort starben mehr als 30.000 Menschen. Zwischenzeitlich verlangten andere Bundesstaaten, dass sich New Yorker bei einem Besuch in Quarantäne begeben.

Höchstwerte bei der Zahl der Infektionen vermeldet auch der Westküstenstaat Kalifornien. Der nahe Los Angeles gelegene Freizeitpark Disneyland verschob am Mittwoch seine ursprünglich für 17. Juli geplante Wiedereröffnung. Ein neues Datum steht noch nicht fest.

In den USA wurden Stand Donnerstag knapp 2,4 Millionen Corona-Infektionen und rund 122.000 Todesfälle registriert - das sind die mit großem Abstand höchsten Zahlen weltweit. US-Präsident Donald Trump hat zuletzt wiederholt gesagt, die hohe Infektionszahl zeige lediglich, wie gut in den USA getestet werde. Trump, der sich im November wiederwählen lassen will, hat deswegen sogar mehrfach ein Zurückfahren der Tests angeregt.

Kritiker geben dem Präsidenten eine Mitschuld an den verheerenden Auswirkungen des Coronavirus in seinem Land. Der Rechtspopulist hatte die Gefahr durch den neuartigen Erreger zunächst kleingeredet - und dringt bereits seit Monaten auf eine rasche Rückkehr zur Normalität.

Am Wochenende hielt der Präsident erstmals nach dreieinhalbmonatiger Corona-Pause wieder eine Wahlkampfveranstaltung vor tausenden Anhängern ab. Der Auftritt ist wegen des Ansteckungsrisikos stark kritisiert worden. Die "Washington Post" berichtete nun, nach Infektionsfällen seien dutzende Mitarbeiter des für den Schutz des Präsidenten zuständigen Secret Service vorsorglich in Quarantäne geschickt worden.

Trumps Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl, der US-Demokrat Joe Biden, geht derweil im Umgang mit der Pandemie einen anderen Weg: Wegen des Corona-Risikos soll der im August in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin geplante Nominierungsparteitag größtenteils virtuell stattfinden. Biden selbst wird für die Kandidatenkür aber anreisen, wie die Organisatoren mitteilten.

Neue Arbeitslosenzahlen zeigten derweil am Donnerstag, wie sehr die Wirtschaftskrise in Folge der Pandemie die USA noch im Griff hat: In der vergangenen Woche verloren nach Angaben des US-Arbeitsministeriums weitere 1,48 Millionen Menschen ihren Job. Seit Beginn der Krise sind in den USA mehr als 47,2 Millionen Menschen entlassen worden.


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