24.06.2020, 17:46 Uhr

Leverkusen (AFP) Bayer verkündet milliardenschwere Einigung mit Glyphosat-Klägern in den USA

Chemiekonzern zahlt in Streit um Unkrautvernichter knapp zehn Milliarden Euro

Der Chemiekonzern Bayer hat im Streit um den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup einen milliardenschweren Vergleich mit Klägern in den USA erzielt. Der Leverkusener Konzern erklärte am Mittwoch, zur Beilegung der laufenden Verfahren und für mögliche künftige Fälle bis zu 10,9 Milliarden Dollar (9,8 Milliarden Euro) zu zahlen. Hintergrund sind Klagen von Roundup-Nutzern, die das Mittel für ihre Krebserkrankung verantwortlich machen.

Mit der Einigung würden "75 Prozent der aktuellen Roundup-Verfahren zum Abschluss" gebracht - "mit insgesamt etwa 125.000 eingereichten und nicht eingereichten Klagen", erklärte Bayer. Der Konzern werde 8,8 Milliarden bis 9,6 Milliarden Dollar zahlen, um die aktuellen Fälle beizulegen. Hinzu kämen 1,25 Milliarden US-Dollar, "um eine separate Vereinbarung für potenzielle künftige Klagen zu ermöglichen". Diesem Teil der Vereinbarung müsse noch ein Richter im US-Bundesstaat Kalifornien zustimmen.

"Die Vereinbarungen wurden von Vorstand und Aufsichtsrat der Bayer AG unter Mitwirkung des eigens dafür eingerichteten Ausschusses zum Glyphosat-Rechtskomplex einstimmig genehmigt", erklärte der Chemiekonzern. "Sie enthalten keinerlei Eingeständnis einer Schuld oder eines Fehlverhaltens."

Bayer steht seit der Mega-Übernahme des US-Agrarkonzerns Monsanto im Jahr 2018 unter gewaltigem Druck. Dessen Unkrautvernichter Roundup steht im Zentrum von Gerichtsverfahren in den USA, in denen Kläger das glyphosathaltige Mittel für ihre Krebserkrankungen verantwortlich machen.

In mehreren Prozessen sprachen US-Gerichte Klägern in erster Instanz hohe Entschädigungszahlungen zu. Bayer beteuert stets, dass glyphosathaltige Mittel bei sachgerechter Anwendung sicher seien.

"Der Roundup-Vergleich ist für Bayer der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt, um eine lange Periode der Unsicherheit zu einem Ende zu bringen", erklärte der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Baumann am Mittwoch. "Er legt die meisten aktuellen Klagen bei und etabliert einen klaren Mechanismus, um die Risiken möglicher künftiger Verfahren zu adressieren."

Das "Handelsblatt" hatte am Dienstag berichtet, Bayer stehe kurz vor einer Einigung mit den Klägern, die durch mehrere Anwaltskanzleien vertreten werden.

Die Frage, ob Glyphosat eine krebsauslösende Wirkung hat, sorgt immer wieder für Diskussionen. Die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) erklärte 2015, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei.

Umweltbehörden der EU, in Deutschland und in den USA sind dagegen zu dem Schluss gelangt, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgehe. Erst im Januar erklärte die US-Umweltbehörde EPA, dass sie nach einer erneuten Überprüfung des seit 1974 in den USA zugelassenen Herbizids weiterhin zu dem Schluss gelange, dass von Glyphosat bei sachgemäßer Anwendung "keine bedenklichen Risiken für die menschliche Gesundheit" ausgingen. Eine krebsauslösende Wirkung beim Menschen sei "unwahrscheinlich".


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