23.06.2020, 18:29 Uhr

Düsseldorf (AFP) NRW ordnet einwöchigen Lockdown wegen Corona in Kreisen Gütersloh und Warendorf an

Corona-Infektionen in "Wiesenhof"-Schlachtbetrieb in Niedersachsen

Erstmals sind in zwei deutschen Landkreisen die Corona-Lockerungen der vergangenen Wochen wieder in weiten Teilen zurückgenommen worden: Nach dem massiven Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies im nordrhein-westfälischen Kreis Gütersloh und gestiegenen Infektionszahlen auch im Nachbarkreis Warendorf gelten in beiden Kreisen nun erneut weitgehend Beschränkungen des öffentlichen Lebens wie zuletzt im März, wie die NRW-Landesregierung am Dienstag bekannt gab. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kündigte derweil an, alle 20.000 Mitarbeiter der Fleischindustrie erneut testen zu wollen.

Das beschlossene Maßnahmenpaket für die beiden NRW-Kreise gilt zunächst bis zum 30. Juni. Zweck sei, "die Situation zu beruhigen" und die "Testungen auszuweiten", sagte Armin Laschet (CDU). Mit den Tests solle die noch ungeklärte Frage beantwortet werden, ob sich über die Infektionen bei Tönnies hinaus das Virus auch in Teilen der Bevölkerung verbreitet habe. Derzeit stehen rund 7000 Tönnies-Beschäftigte unter Quarantäne.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zufolge erhalten alle Bürger der Kreise Gütersloh und Warendorf nun die Möglichkeit, sich kostenlos auf eine Corona-Infektion testen zu lassen.

In den Kreisen Gütersloh und Warendorf gelten nun unter anderem wieder strenge Kontaktbeschränkungen. Freizeitaktivitäten in geschlossenen Räumen sind nicht mehr gestattet, Ausstellungen und Museen müssen wieder schließen, ebenso Bars, Fitnessstudios und Saunen. Geschäfte sowie Restaurants und Speisegaststätten können dagegen geöffnet bleiben, letztere aber nur noch für Menschen aus einem Hausstand.

Bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh hatten die Behörden in der vergangenen Woche einen massiven Corona-Ausbruch registriert. Dort wurden mehr als 1550 der etwa 7000 Beschäftigten positiv auf das Coronavirus getestet. Regierungschef Laschet kündigte in ZDF-"heute" an, alle 20.000 Beschäftigte in der Fleischindustrie in NRW erneut testen zu wollen. Dies sei bereits nach dem Corona-Ausbruch in einem Schlachthof in Coesfeld Anfang Mai geschehen.

Wegen des Ausbruchs bei Tönnies hatte der Kreis Gütersloh bereits in der vergangenen Woche alle Schulen und Kitas wieder geschlossen. Entsprechende Schließungen sollen im benachbarten Kreis Warendorf nun am Donnerstag erfolgen.

In diesem Kreis wurden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag 68,4 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen registriert. Für den Kreis Gütersloh gab das RKI den Wert mit 257,4 Neuinfektionen an. Regionale Gegenmaßnahmen sollen laut einer Einigung von Bund und Ländern ab einem Wert von 50 Neuinfektionen ergriffen werden.

Der angrenzende Kreis Osnabrück (Niedersachsen) erließ derweil strenge Beschränkungen für Menschen aus Gütersloh und Warendorf. So müssen Kinder aus den betroffenen Kreisen, die im Osnabrücker Gebiet Schulen oder Kitas besuchen, ab Mittwoch zuhause bleiben, wie der Landkreis mitteilte.

Kurz vor Beginn der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen am nächsten Wochenende drohen den Menschen aus den betroffenen Kreisen Gütersloh und Warendorf je nach Reiseziel Probleme - zumindest, wenn sie nicht negativ auf Corona getestet wurden.

Hotels und Pensionen in Bayern dürfen laut einem Kabinettsbeschluss vorerst keine Gäste mehr aus Kreisen mit hohen Corona-Infektionszahlen aufnehmen. Bereits am Montag waren auf der Insel Usedom Urlauber aus dem Kreis Gütersloh aufgefordert worden, das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern wieder zu verlassen.

Der Virologe Alexander Kekulé kritisierte den neuen Lockdown als zu kurz angesetzt. Es dauere in der Regel zwei Wochen, bis bei allen Infizierten Symptome aufgetreten seien, sagte Kekulé am Dienstag im Podcast von "MDR Aktuell". Er gehe nicht davon aus, "dass man den Lockdown nach einer Woche wieder beenden können wird", betonte Kekulé.

Derweil wurden auf in einem "Wiesenhof"-Schlachtbetrieb in Wildeshausen (Landkreis Oldenburg in Niedersachsen) 23 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet, wie der Bremer "Weser-Kurier" am Dienstag berichtete. Ab Mittwoch sollen demnach alle 1100 Beschäftigte des Hofes untersucht werden.


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