23.06.2020, 15:17 Uhr

Frankfurt/Main (AFP) Lufthansa steht mit zwei Gewerkschaften kurz vor Einigung über Einsparungen

UFO will Sanierungsplan vor Aktionärsversammlung am Donnerstag präsentieren

Die Zustimmung der Lufthansa-Aktionäre zum Rettungspaket bleibt ungewiss - in den Sanierungsverhandlungen mit den Gewerkschaften kann der Konzern aber auf Einigungen vor der Hauptversammlung hoffen. Wie Vertreter der Flugbegleitergewerkschaft UFO am Dienstag sagten, soll noch im Tagesverlauf ein bis zu 700 Millionen Euro schweres Sparprogramm beschlossen werden. Auch die Gespräche mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sind laut Lufthansa "fortgeschritten".

Nach schwierigen Verhandlungen über Einsparungen bei den Personalkosten solle noch am Dienstag ein Ergebnis für das Kabinenpersonal stehen und dem Lufthansa-Vorstand sowie den UFO-Mitgliedern am Abend vorgelegt werden, sagten der UFO-Vorsitzende Daniel Flohr und Geschäftsführer Nicoley Baublies. Baublies betonte, die Sanierungsvereinbarungen "auf jeden Fall" vor der Hauptversammlung der Lufthansa am Donnerstag präsentieren zu wollen - auch als "wichtiges Zeichen" für die Aktionäre, die dort über das umstrittene Rettungspaket der Bundesregierung für die angeschlagene Airline abstimmen sollen.

Die vorläufigen Vereinbarungen zwischen Lufthansa und UFO betreffen laut Baublies vor allem freiwillige Maßnahmen zur Senkung der Personalkosten wie ein Abfindungsprogramm des Konzerns, unbezahlten Urlaub und Absenkungen der Arbeitszeit. Baublies zeigte sich erfreut, dass die meisten Zugeständnisse der Beschäftigten freiwillig erfolgen sollen. Die Gewerkschaft hatte im Gegenzug einen vierjährigen Beschäftigungsschutz für das Kabinenpersonal gefordert - hier sah Baublies vor einer endgültigen Einigung noch Gesprächsbedarf.

Bereits am Morgen hatte ein Sprecher der Lufthansa erklärt, neben den Gesprächen mit UFO seien auch die Verhandlungen mit der Pilotengewerkschaft VC "bereits fortgeschritten"; eine Lösung solle möglichst noch vor der außerordentlichen Hauptversammlung stehen. Die Gewerkschaft Verdi hingegen hatte schon am Montag angekündigt, sie werde erst am Freitag nach dem Aktionärstreffen weiter verhandeln.

Die Lufthansa beschäftigt 138.000 Menschen weltweit - 22.000 Vollzeitstellen stehen nach Angaben des Konzerns auf der Kippe, die Hälfte davon in Deutschland. Die Arbeitnehmer sind nach Angaben der Gewerkschaften bereit, einen Krisenbeitrag zu leisten; die Piloten etwa haben einen Gehaltsverzicht angeboten. Im Gegenzug fordern die Gewerkschaften einen Kündigungsschutz.

Die Aktionärsversammlung soll über das Rettungspaket des Staates für die Lufthansa im Umfang von neun Milliarden Euro entscheiden. Dies ist die Voraussetzung für die Umsetzung. Die Zustimmung steht auf der Kippe - insbesondere der Großaktionär Heinz Hermann Thiele mit einem Anteil von 15,5 Prozent hatte das Paket kritisiert und offen gelassen, ob er dem Rettungsplan seine Stimme gibt.

Die UFO-Verantwortlichen wollen die Aktionäre zur Zustimmung bewegen und riefen für den Tag der Hauptversammlung alle Lufthansa-Beschäftigten zu einer Mahnwache ab 09.00 Uhr vor dem Hauptsitz am Flughafen in Frankfurt am Main auf.


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