23.06.2020, 14:39 Uhr

München (AFP) Ex-Wirecard-Chef Braun wegen mutmaßlicher Marktmanipulation festgenommen

Braun kommt aber gegen Millionenkaution vorerst wieder frei

Im Wirecard-Bilanzskandal ist der frühere Chef des Dax-Konzerns, Markus Braun, wegen Verdachts der Marktmanipulation festgenommen worden. Er kommt aber gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro zunächst wieder frei, wie die Staatsanwaltschaft München I am Dienstag mitteilte. Sie wirft dem am Freitag zurückgetretenen Braun vor, mit weiteren mutmaßlichen Tätern die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen von Wirecard durch vorgetäuschte Einnahmen aufgebläht zu haben.

Braun werde der Marktmanipulation verdächtigt, teilte die Münchner Staatsanwaltschaft mit. Sie habe deshalb bereits am Montag Haftbefehl gegen den österreichischen Ex-Konzernchef beantragt. Braun reiste aus Wien an und stellte sich am Montagabend der deutschen Justiz. Eine Ermittlungsrichterin setzte den Haftbefehl gegen ihn am Dienstag vorerst aus.

Bis zur Zahlung der Kaution bleibe Braun in Haft, erklärte die Staatsanwaltschaft. Zu den Auflagen zählt demnach auch, dass sich der Ex-Konzernchef wöchentlich bei der Polizei melden muss.

Im Fokus der Ermittlungen stehen laut Staatsanwaltschaft angebliche Bankguthaben auf Treuhandkonten bei zwei philippinischen Banken in Höhe von mehr als 1,9 Milliarden Euro. Der Wirecard-Vorstand hatte in der Nacht zu Montag erklärt, dass dieses Guthaben wahrscheinlich gar nicht existiere. Die Staatsanwaltschaft München verdächtigt Braun der unrichtigen Darstellung jeweils in Tateinheit mit Marktmanipulation in mehreren Fällen. Ziel sei es gewesen, das Unternehmen finanzkräftiger und für Investoren und Kunden attraktiver darzustellen.

Braun war am Freitag zurückgetreten. Der stellvertretende Linken-Fraktionschef Fabio De Masi begrüßte seine Festnahme am Dienstag als "überfällig". Er forderte, die Finanzaufsicht in Deutschland "vom Kopf auf die Füße stellen". Auch personelle Konsequenzen an der Spitze der Aufsichtsbehörde Bafin seien zu prüfen.

Danyal Bayaz, Leiter des Grünen-Wirtschaftsbeirats und Mitglied im Finanzausschuss, erklärte: "Sollten Wirecard und seine Spitze aktiv in einen Betrug verwickelt sein, müssen sowohl die Praxis der Wirtschaftsprüfung als auch mögliche Versäumnisse der Bafin auf den Prüfstand." Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) müssten sich hinterfragen, "ob eine bessere Regulierung diesen Scherbenhaufen hätte verhindern können".

Wirecard stand seit seiner Gründung 1999 immer wieder im Zentrum von Aktienspekulationen. Im vorigen Jahr schrieb die britische "Financial Times" wiederholt über angeblich vorgetäuschte Umsätze und gefälschte Verträge bei Wirecard in Singapur. Wirecard wies die Anschuldigungen stets als verleumderisch zurück.

Wirecard war 1999 gegründet worden und konzentrierte sich schnell auf den Zahlungsverkehr im Internet. Seit September 2018 ist die Firma an der Börse, sie ersetzte damals im Deutschen Aktienindex die Commerzbank. Die Firma bekommt eine Provision dafür, dass sie Geld vom Endkunden an den Anbieter weiterleitet. Dabei übernimmt sie eine Garantie für Zahlungsausfälle.


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