22.06.2020, 14:48 Uhr

München (AFP) Benedikt XVI. hat Deutschland wieder verlassen

Bayerns Ministerpräsident Söder verabschiedet Papst am Flughafen

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat Deutschland nach einem fünftägigen Besuch bei seinem schwer kranken Bruder Georg Ratzinger wieder verlassen und ist in den Vatikan zurückgekehrt. Zum Abschied habe Benedikt Bayern Gottes Segen gewünscht, sagte der zur Verabschiedung an den Flughafen gekommene bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Zuvor hatte der aus Bayern stammende Benedikt sich in Regensburg von seinem 96 Jahre alten Bruder verabschiedet.

Der 2013 emeritierte, mittlerweile 93 Jahre alte Papst war überraschend am Donnerstag nach Bayern gereist. Er wollte seinen schwer kranken Bruder Georg Ratzinger besuchen, der inzwischen bettlägerig ist. Dem Bistum Regensburg zufolge war es ein Herzenswunsch der Brüder, sich zu Lebzeiten noch einmal zu sehen.

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sagte, in den vergangenen Tagen hätten sich die beiden Brüder neunmal gesehen. "Jede dieser Begegnungen hat ihnen ganz offenkundig Lebenskraft, frischen Mut und Freude vermittelt - neunmal fanden sie zueinander mit wenigen Worten, mit den vertrauten Gesten und vor allem im Gebet."

Für den lange in Penzberg bei Regensburg lebenden Joseph Ratzinger sei Regensburg die "irdische Heimat", auf den Friedhof im Stadtteil Ziegetsdorf ließen die Ratzinger-Brüder ihre ursprünglich in Traunstein beerdigten Eltern umbetten. Dort liegt seit 1991 auch die Schwester Maria begraben.

Es sei die Zuneigung zu seiner Heimat, die Benedikt zu der Reise bewogen habe und die ihn ans Krankenbett des Bruders geführt habe, sagte Voderholzer. "Man kann nur jedem eine solche Zuneigung wünschen, ein so brüderliches Miteinander, wie sie sich in der Beziehung der Geschwister Ratzinger bezeugt."

Der Regensburger Bischof beschrieb den emeritierten Papst als stark auf fremde Hilfe angewiesen, "für praktisch alle alltäglichen Lebensvollzüge ist er auf die Hilfe anderer angewiesen." Auch die Artikulation bereite ihm sichtlich Mühe. "Seine Gedanken aber sind völlig klar - sein Gedächtnis, seine Kombinationsgabe phänomenal."

Er habe seine verbliebene Kraft vollständig mobilisieren müssen, um Abschied zu nehmen. "Benedikt XVI. begegnete uns in all seiner gealterten Schwäche und wir durften dabei erfahren und miterleben, was bei aller menschlichen Größe und Schaffenskraft am Ende aller Tage wirklich wichtig ist", sagte Voderholzer.

Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz erklärte, die deutschen Bischöfe freuten sich, dass Benedikt die Strapaze einer Reise in seine Heimat noch einmal auf sich genommen habe. Es sei zu spüren, wie wichtig ihm die Begegnung mit seinem Bruder gewesen sei. "Ihre Besuche am Grab Ihrer Eltern und der Schwester sowie der Abstecher nach Pentling zeigen, wie sehr Sie der Heimat verbunden sind", erklärte der Ständige Rat.

Seit seiner überraschenden Ankunft am vergangenen Donnerstag hatte Benedikt jeden Tag seinen Bruder am Krankenbett besucht. Außer den Familiengräbern besuchte er auch sein ehemaliges Haus in Pentling bei Regensburg, in dem inzwischen eine nach ihm benannte Stiftung untergebracht ist.


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