19.06.2020, 12:02 Uhr

Washington (AFP) Gedenken in den USA an Sklaverei-Abschaffung inmitten der Rassismus-Debatte

Gedenken in den USA an Sklaverei-Abschaffung inmitten der Rassismus-Debatte .
Quelle: AFP/CHANDAN KHANNA (Foto: AFP/CHANDAN KHANNA)Gedenken in den USA an Sklaverei-Abschaffung inmitten der Rassismus-Debatte . Quelle: AFP/CHANDAN KHANNA (Foto: AFP/CHANDAN KHANNA)

Massive Kritik an Trump-Auftritt in der Stadt Tulsa

Inmitten der anhaltenden Proteste gegen Rassismus erinnern die USA am Freitag an das Ende der Sklaverei in ihrem Land vor 155 Jahren. In Städten von New York bis Los Angeles sind am inoffiziellen Gedenktag "Juneteenth" Demonstrationen, gemeinsame Gebete und Feste geplant. US-Präsident Donald Trump steht derweil wegen einer geplanten Wahlkampfkundgebung in Tulsa im Bundesstaat Oklahoma in der Kritik. Die Stadt war der Ort eines der schlimmsten Massaker an Afroamerikanern in der jüngeren US-Geschichte.

Am 19. Juni 1865 verkündete ein General der Unionstruppen in Galveston im Bundesstaat Texas die Freilassung aller Sklaven. 155 Jahre später ist die Debatte um die Verbrechen jener Zeit wieder aktuell. Seit Wochen gehen hunderttausende Menschen auf die Straße, um gegen systematischen Rassismus und Ungerechtigkeit zu protestieren.

Die Proteste waren durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis ausgelöst worden. Sie wurden zuletzt durch die Tötung eines weiteren Schwarzen durch die Polizei in Atlanta weiter angefacht.

Am "Juneteenth" - ein Schachtelwort aus den englischen Wörtern für Juni und 19. - könnte den Ruf nach Gleichbehandlung und Reformen noch lauter werden. Mehrere Gedenkfeiern werden wegen der Coronavirus-Pandemie nur virtuell stattfinden. Vielerorts wird des Tages der Befreiung aber auch auf der Straße gedacht.

In New York sind dutzende Veranstaltungen geplant, unter anderem ein Marsch zum Rathaus unter dem Motto "Gerechtigkeit, Würde und Gleichheit". In Chicago wird eine "Black Lives Matter Block Party" gefeiert. Und in Tulsa ist unter dem Motto "Auch ich bin Amerika" eine Kundgebung angekündigt.

US-Präsident Trump will dort am Samstag seine erste Wahlkampfkundgebung seit Lockerung der Corona-Restriktionen abhalten - ausgerechnet an jenem Ort, an dem ein weißer Mob 1921 bis zu 300 Schwarze tötete. Kritiker sehen in der Orts- und Terminwahl für Trumps Auftritt eine gezielte Provokation.

Ursprünglich hatte der Präsident sogar am "Juneteenth" in Tulsa auftreten wollen, kurzfristig wurde die Veranstaltung dann um einen Tag verschoben. Der Wahlkampfauftritt ist ohnehin umstritten, da sich der Präsident über Bedenken hinwegsetzt, die Veranstaltung mit 20.000 Trump-Anhängern könnte die Ausbreitung des Coronavirus befördern.

Trump wird vorgeworfen, die zuletzt verschärfte gesellschaftliche Auseinandersetzung um Rassismus und Diskriminierung angeheizt zu haben. Er hatte etwa mit dem Einsatz der Armee gegen Ausschreitungen am Rande der Anti-Rassismus-Demonstrationen gedroht.

Aus Protest gegen Trumps Haltung in der Rassismus-Debatte trat am Donnerstag eine hochrangige afroamerikanische Mitarbeiterin der US-Regierung zurück. Die Kommentare und Handlungen des Präsidenten hinsichtlich der Diskriminierung von Schwarzen "stehen in scharfem Widerspruch zu meinen zentralen Werten und Überzeugungen", erklärte die bisherige Abteilungsleiterin für Rechtsangelegenheiten im Außenministerium, Mary Elizabeth Taylor, in ihrem Rücktrittsschreiben.

Die Diskussion um das Erbe der Sklaverei hat durch die Anti-Rassismus-Proteste an Brisanz gewonnen. Im Zuge der Proteste wurden im Land mehrere Statuen von Führungsfiguren der Südstaaten umgestürzt. Einige solcher Denkmäler wurden auch auf Anweisung der Behörden entfernt.

Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, ließ am Donnerstag vier Porträts von historischen Führungsfiguren der US-Südstaaten aus dem Kongress in Washington entfernen.

In den Räumen des Kongresses sei kein Platz für die Ehrung von Männern, "welche den gewaltsamen Fanatismus und den grotesken Rassismus" der Konföderierten-Staaten des 19. Jahrhunderts verkörperten, erklärte die Anführerin der oppositionellen Demokraten.


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