19.06.2020, 15:12 Uhr

Essen (AFP) 62 Filialen und 6000 Beschäftigte bei Karstadt Kaufhof auf der Streichliste

Karstadt am Ku'damm in Berlin .
Quelle: AFP/Odd ANDERSEN (Foto: AFP/Odd ANDERSEN)Karstadt am Ku'damm in Berlin . Quelle: AFP/Odd ANDERSEN (Foto: AFP/Odd ANDERSEN)

Verdi verkündet tarifliche Einigung im Ringen um Sanierung der Warenhauskette

Gut jede dritte Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof steht vor dem Aus: 62 der gut 170 Kaufhäuser sollen schließen, rund 6000 der noch 28.000 Beschäftigten sind davon betroffen, wie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Freitag nach einer tariflichen Einigung mit Betriebsrat und Geschäftsführung erklärte. Demnach sollen gekündigte Mitarbeiter für mindestens sechs Monate in eine Transfergesellschaft "zur Beschäftigung und Qualifizierung" wechseln können.

Der Warenhauskonzern äußerte sich auf Anfrage bis zum Nachmittag nicht zu dem Sanierungsplan, auch eine genaue Liste der bedrohten Filialen lag der AFP nicht vor. Ein Verdi-Sprecher beklagte, die Konzernführung halte Informationen unter anderem wegen laufender Mietverhandlungen so lange wie möglich zurück. "Wir werden mit aller Kraft für den Erhalt der Standorte und die Zukunft der Beschäftigten kämpfen. Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", erklärte unterdessen Stefanie Nutzenberger, Mitglied des Bundesvorstands der Gewerkschaft.

"Ich erwarte, dass von pauschalen Kürzungsplänen auf dem Rücken der Beschäftigten Abstand genommen wird", erklärte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Er forderte von den Beteiligten, "auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten und für die von der Schließung bedrohten Filialen Zukunftskonzepte zu entwerfen". Diese Forderungen unterstützten weitere Politiker sowie Vertreter der Kommunen in Deutschland.

"Ich finde, hier müssen die Regierungsverantwortlichen langsam mal ein Wort mitreden und die drohenden Entlassungen verhindern", erklärte Linken-Chef Bernd Riexinger mit Blick auf Heil und seine Kabinettskollegen. Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, warnte, die Kaufhauskette könne in der Corona-Krise "zu einem Vorboten für ein Sterben der Innenstädte" werden. Ein "Dominoeffekt bei anderen Einzelhändlern" müsse verhindert werden. "Die öffentliche Hand sollte sich möglichst geschlossene Filialen sichern, sie darf man nicht Spekulanten überlassen", erklärte Bartsch weiter.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, sagte der "Passauer Neuen Presse" (Samstagsausgabe), dass vor diesem Hintergrund "Handel, Immobilieneigentümer sowie Kommunen eng zusammenarbeiten" und an einem Tisch Strategien für eine Nachnutzung der Gebäude entwerfen müssten. Eine zentrale Rolle spielten die Eigentümer der Gebäude. "Überzogene Mietforderungen sind in Krisenzeiten fehl am Platz", mahnte Landsberg.

Der Vizepräsident des Deutschen Städtetages und Oberbürgermeister der Stadt Münster, Markus Lewe, bedauerte, "dass es so weit gekommen ist". Die Filialen von Karstadt Kaufhof "wirken wie ein Kundenmagnet" und bei einem Leerstand "kann das gesamte Umfeld schnell an Attraktivität verlieren".


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