19.06.2020, 08:45 Uhr

Gütersloh (AFP) Gütersloher Landrat verteidigt neuerliche Schließung von Schulen und Kitas

Kinder protestieren vor dem Schlachtbetrieb.
Quelle: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER (Foto: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER)Kinder protestieren vor dem Schlachtbetrieb. Quelle: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER (Foto: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER)

Aber Verständnis für "Riesenärger" nach Corona-Ausbruch bei Fleischkonzern

Nach dem massiven Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies mit inzwischen mehr 730 Infizierten im Kreis Gütersloh hat Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) die Schließung von Schulen und Kitas verteidigt. Er können den "Riesenärger" von Eltern und Kindern verstehen, sagte er am Freitag im Deutschlandfunk. Aber in den Schulen könne das Virus durch die Kinder von Angestellten auf das gesamte Kreisgebiet "überspringen". Die Experten hätten dies empfohlen.

Wären parallel dazu auch noch andere Bereiche wie Gaststätten und Sportvereine wieder geschlossen worden, wäre nur "der Protest aus anderen Bereichen noch größer gewesen", sagte der Landrat. Die Schließung von Schulen und Kitas aber sei nach Meinung seiner Fachleute mit Blick auf die Eindämmung am "effektivsten". Er verwies zudem darauf, dass er auch den Tönnies-Betrieb nach dem Ausbruch geschlossen habe. "Das ist das, was ich machen kann."

In Deutschland gab es zuletzt bereits wiederholt konzentrierte Corona-Ausbrüche in den Belegschaften von Schlachthöfen großer Fleischkonzerne. In dem Fall im Landkreis Gütersloh laufen Reihentests, um das Ausmaß der Infektionswelle zu ermitteln. Der Kreis bat dabei inzwischen um Unterstützung durch die Bundeswehr. Die Kapazitäten der regionalen Rettungs- und Hilfsdienste seien erschöpft. Insgesamt müssen rund 5000 Menschen getestet werden.

Wegen der Ereignisse rund um den Betrieb in Rheda-Wiedenbrück befinden sich inzwischen etwa 7000 Menschen in Quarantäne. Auch die Überwachung sei ein "Riesenproblem", berichtete Adenauer im Deutschlandfunk. Gesundheitsämter und Ordnungsbehörden prüften stichprobenartig, ob sich Betroffene an Auflagen hielten. Auch die Polizei sei eingebunden und fahre nun verstärkt Streife. Es bleibe aber eine schwierige bis fast unmögliche "Mammutaufgabe".

Die nordrhein-westfälische Landesregierung kündigte einem Pressebericht zufolge derweil an, die Gründe für die massiven Infektionen in der Branche wissenschaftlich untersuchen zu lassen. "Wir müssen untersuchen, wie die Corona-Ausbrüche in der Fleischindustrie entstehen", sagte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".


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