19.06.2020, 12:50 Uhr

Berlin (AFP) Gewerkschaften rufen Lufthansa-Aktionäre zu Zustimmung für Rettungspaket auf

Lufthansa-Maschinen am Münchner Flughafen.
Quelle: AFP/Christof STACHE (Foto: AFP/Christof STACHE)Lufthansa-Maschinen am Münchner Flughafen. Quelle: AFP/Christof STACHE (Foto: AFP/Christof STACHE)

Bericht: Großaktionär Thiele will mit Scholz über Staatseinstieg sprechen

Die Luftfahrtgewerkschaften Ufo und Vereinigung Cockpit haben an die Lufthansa-Aktionäre appelliert, das staatliche Rettungspaket für die Airline auf der außerordentlichen Hauptversammlung kommende Woche anzunehmen. Die Gewerkschaften riefen am Freitag dazu auf, sich bis Samstagabend anzumelden, um die erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht zu gefährden. Der Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele will laut "Handelsblatt" mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) über die Lufthansa-Rettung sprechen.

Es sei "extrem wichtig, dass auch der kleinste Kleinaktionär sein Stimmrecht ausübt und dem Rettungspaket zustimmt", betonte Ufo-Geschäftsführer Nicoley Baublies. Cockpit-Präsident Markus Wahl erklärte, das intensiv verhandelte Paket beinhalte "schwierige Auflagen und Einschnitte" für die Lufthansa "und daher verstehen wir jeden Aktionär, der Zweifel wegen dieser Bedingungen hat". Dennoch sei die durch die Corona-Krise stark angeschlagene Airline nur auf diese Weise zu retten.

"Ein Schutzschirmverfahren wäre hingegen unkalkulierbar und würde die Risiken für Unternehmen, Mitarbeiter und Aktionäre im gleichen Maße in die Höhe treiben", warnte Wahl. Mit Blick auf die Bedenken des Münchner Unternehmers Thiele forderte er, die Bundesregierung müsse "mit den Aktionären in offenen Gesprächen nach einer Lösung suchen".

Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, wollen Thiele als größter Einzelaktionär der Lufthansa und Finanzminister Scholz möglichst noch vor Ende der Woche über die Vorbehalte bei der Lufthansa-Rettung sprechen. Derzeit werde ein Termin gesucht.

Thiele hatte seinen Anteil an der Lufthansa jüngst von zehn auf 15,52 Prozent aufgestockt und den geplanten Staatseinstieg in Frage gestellt. Er stößt sich vor allem an der vorgesehenen Beteiligung des Bundes von 20 Prozent und will den Plan nachverhandeln.

Die zwischen der Bundesregierung und der Lufthansa erzielte Einigung sieht auch vor, dass der Bund ein Mitspracherecht bei der Besetzung von zwei der 20 Posten im Aufsichtsrat bekommt. Ein Sprecher des Finanzministeriums bekräftigte am Freitag die Aussage des Ministers Scholz, der Bund habe ein "gutes Angebot auf den Tisch gelegt".

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Klaus Ernst, äußerte sich skeptisch zu Nachverhandlungen: "Die vorliegende Vereinbarung zwischen Rettungsfonds und Konzern kommt der Lufthansa-Geschäftsführung bereits sehr entgegen." Ernst warf Thiele vor, Profit aus der Krise schlagen zu wollen und damit "tausende Existenzen und den Fortbestand einer deutschen Fluggesellschaft" zu gefährden.

Sollte Thiele seine Zustimmung auf der virtuellen Hauptversammlung am kommenden Donnerstag verweigern, könnte er das neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket blockieren. Die Lufthansa erwartete zuletzt, das weniger als die Hälfte ihrer Aktionäre an der Versammlung teilnehmen und folglich eine Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen für die Annahme nötig ist. Die Anmeldefrist für die Hauptversammlung endet an diesem Samstag um 24.00 Uhr.


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