18.06.2020, 14:46 Uhr

Düsseldorf (AFP) NGG und SPD-Generalsekretär fordern Entschuldigung Laschets nach Virus-Äußerung

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).
Quelle: AFP/Archiv/INA FASSBENDER (Foto: AFP/Archiv/INA FASSBENDER)NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Quelle: AFP/Archiv/INA FASSBENDER (Foto: AFP/Archiv/INA FASSBENDER)

NRW-Ministerpräsident stellt umstrittene Aussage zu Rumänen und Bulgaren klar

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Nordrhein-Westfalen hat den Düsseldorfer Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) zu einer Entschuldigung wegen einer Äußerung zum Corona-Ausbruch im Fleischkonzern Tönnies im Kreis Gütersloh aufgefordert. Ein entsprechendes Schreiben wurde am Donnerstag an die Düsseldorfer Staatskanzlei verschickt, wie die Gewerkschaft mitteilte. Auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil forderte eine Entschuldigung Laschets. Der NRW-Ministerpräsident stellte derweil seine umstrittene Äußerung klar.

Laschet hatte am Mittwoch in Berlin auf die Frage einer Journalistin, was der Corona-Ausbruch bei Tönnies über die Lockerung der Corona-Auflagen aussage, geantwortet: "Das sagt darüber überhaupt nichts aus, weil Rumänen und Bulgaren da eingereist sind und da der Virus herkommt."

Laschet fügte hinzu: "Das wird überall passieren. Wir haben in ganz Deutschland ähnliche Regelungen, wir haben einen Spargelhof in Bayern vor ein paar Wochen gehabt, wir haben den Fall in Coesfeld gehabt. Das hat nichts mit Lockerungen zu tun, sondern mit der Unterbringung von Menschen in Unterkünften und Arbeitsbedingungen in Betrieben."

Der nordrhein-westfälische NGG-Chef Mohamed Boudih kritisierte die Äußerung Laschets scharf. "Die Aussage, die osteuropäischen Beschäftigten hätten das Virus nach Deutschland gebracht, diskriminiert jene Menschen, die unter skandalösen Umständen die Versorgung der Bevölkerung von NRW und Deutschland mit Fleisch sicherstellen", erklärte Boudih.

"Im Lichte der aktuell völlig zurecht geführten Debatte um Rassismus und Diskriminierung in Deutschland und der Welt sind diese Worte aus dem Mund eines Ministerpräsidenten schlicht beschämend und eine empörende Schuldumkehr", betonte der Gewerkschafter. "Diese Menschen 'reisen' nicht ein - sie werden nach Deutschland gebracht, um hier unter schwersten, nicht selten menschenunwürdigen Bedingungen und zu schlechten Löhnen zu arbeiten."

Klingbeil zeigte sich bei "Bild Live" entsetzt über Laschets Äußerung: "Ich fand das skandalös. In seiner ersten Äußerung - wo man darüber reden kann, was das Unternehmen falsch gemacht hat, wie sind die Arbeitsbedingungen, was muss geändert werden - zeigt Herr Laschet auf die bulgarischen und rumänischen Arbeitnehmer."

Laschet habe sich mit seinen Äußerungen nicht nur blamiert, sondern darüber hinaus für weitere politische Ambitionen disqualifiziert: "Ich halte das für völlig unsouverän, so um sich zu schlagen", sagte Klingbeil. "Wer so argumentiert, wer so Ressentiments schürt, wer spaltet, der ist nicht kanzlerkandidatenfähig - und erst recht nicht kanzlerfähig."

Laschet sagte der "Rheinischen Post" vom Freitag zu seiner Äußerung, es gebe "eine Vielzahl von Risiken für die Verbreitung von Viren, dazu gehören auch die Bedingungen und die Form des Reiseverkehrs innerhalb Europas". "Wir wollen ja aber gerade offene Grenzen und einen europäischen Arbeitsmarkt." Laschet betonte, er habe immer darauf hingewiesen, dass das Virus nicht an Grenzen halt mache.

"Menschen gleich welcher Herkunft irgendeine Schuld am Virus zu geben, verbietet sich", sagte Laschet. Ihm sei wichtig klarzumachen, dass dies für ihn wie für die gesamte Landesregierung selbstverständlich sei. Lockerungen der Corona-Beschränkungen, die man in Nordrhein-Westfalen schrittweise beschlossen habe, seien nicht ursächlich für die örtlich aufgetretenen Neuinfektionen in dem Schlachtbetrieb.


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