18.06.2020, 11:38 Uhr

Berlin (AFP) Fast 80 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht

Allein 13,2 Millionen der Flüchtlinge weltweit stammen aus Syrien.
Quelle: AFP/Archiv/Omar HAJ KADOUR (Foto: AFP/Archiv/Omar HAJ KADOUR)Allein 13,2 Millionen der Flüchtlinge weltweit stammen aus Syrien. Quelle: AFP/Archiv/Omar HAJ KADOUR (Foto: AFP/Archiv/Omar HAJ KADOUR)

UNHCR meldet weltweites Rekordhoch bei Zahl der Flüchtlinge

Im vergangenen Jahr hat es weltweit mehr Flüchtlinge gegeben als je zuvor. Laut einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR wurden 2019 rund 79,5 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Dies waren fast fast neun Millionen Menschen mehr als im Vorjahr. UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi warnte vor einer weiteren Verschärfung der Situation und appellierte an die Weltgemeinschaft, Konflikte politisch zu lösen.

"Ein Prozent der Weltbevölkerung kann aufgrund von Kriegen, Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen und anderen Formen der Gewalt nicht in seine Heimat zurückkehren", sagte Grandi der Nachrichtenagentur AFP. Der deutliche Anstieg bei der Zahl der Flüchtlinge sei ein bereits seit 2012 zu beobachtender Trend. Dies verdeutliche, dass es weltweit mehr Konflikte und Gewalt gebe, aber auch, dass politische Lösungen für diese Krisen oftmals "unzureichend" seien.

Angesichts der "Spaltung der internationalen Gemeinschaft" und ihrer "Unfähigkeit" , Frieden zu schaffen, blicke er mit großer Besorgnis in die Zukunft, sagte Grandi weiter. Er befürchte, dass die Zahl der Flüchtlinge in diesem Jahr zusätzlich ansteigen werde.

Laut dem UNHCR-Bericht befanden sich zum Ende des vergangenen Jahres weltweit etwa 29,6 Millionen Menschen außerhalb ihres Heimatlandes auf der Flucht. Dazu zählten 3,6 Millionen Menschen aus Venezuela, die sich in den Nachbarländern aufhielten.

Außerdem gab es dem UNHCR zufolge weltweit etwa 45,7 Millionen sogenannte Binnenvertriebene - also Menschen, die innerhalb ihres eigenen Landes auf der Flucht sind. Diese Zahl stieg im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 4,4 Millionen Menschen. Hinzu kamen 4,2 Millionen Asylbewerber, über deren Status also noch nicht entschieden worden ist.

68 Prozent der Flüchtlinge weltweit stammen laut dem Bericht aus nur fünf Ländern: Syrien, Venezuela, Afghanistan, Myanmar und Südsudan. Allein der Bürgerkrieg in Syrien machte demnach 13,2 Millionen Menschen zu Flüchtlingen, Binnenvertriebenen oder Asylbewerbern.

"Wenn die internationale Gemeinschaft geeint wäre und den politischen Willen und die Mittel aufbringen könnte, diesen Ländern aus der Krise und beim Wiederaufbau zu helfen, hätten wir das Problem für mehr als die Hälfte der Flüchtlinge weltweit gelöst", betonte Grandi.

Kaum Veränderungen registrierte das UNHCR in Deutschland. Zwar nahm die Zahl der in Deutschland gemeldeten Flüchtlinge demnach um 82.848 zu und lag bei insgesamt etwa 1,147 Millionen. Der Anstieg gehe aber vor allem auf Menschen zurück, die sich bereits in Deutschland aufgehalten hätten und deren Fälle inzwischen bearbeitet worden seien.

Deutschland ist weiterhin das weltweit fünftgrößte Gastland für Flüchtlinge. Die meisten Flüchtlinge leben demnach in der Türkei mit 3,6 Millionen, in Kolumbien mit 1,8 Millionen Menschen sowie in Pakistan und Uganda mit jeweils etwa 1,4 Millionen.

Die kirchlichen Hilfswerke Caritas und Diakonie Katastrophenhilfe kritisierten die Bedingungen, unter denen Flüchtlinge weltweit leben und die zusätzlichen Risiken, denen sie in Zeiten der Corona-Pandemie ausgesetzt sind. In einer gemeinsamen Erklärung zum Weltflüchtlingstag am kommenden Samstag forderten beide Organisationen den Schutz von Flüchtlingen auch in der Corona-Krise. So dürfe die Möglichkeit auf Einreise in den Nachbarstaat, um das Leben von Flüchtlingen zu retten, "nicht einfach Corona-Maßnahmen geopfert werden", erklärte Caritas-Präsident Peter Neher.


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