17.06.2020, 10:00 Uhr

Brüssel (AFP) Von der Leyen will künftigen Corona-Impfstoff bei Unternehmen "reservieren"

Kommissionspräsidentin von der Leyen.
Quelle: POOL/AFP/JOHN THYS (Foto: POOL/AFP/JOHN THYS)Kommissionspräsidentin von der Leyen. Quelle: POOL/AFP/JOHN THYS (Foto: POOL/AFP/JOHN THYS)

Brüssel schlägt gemeinsames Vorgehen bei Kauf und Verteilung von Impfdosen vor

Die EU will sich den Zugang zu noch in der Entwicklung befindlichen Impfstoffen gegen das neuartige Coronavirus sichern. "Es geht darum, dass wir gemeinsam Produktionskapazitäten für künftige Impfstoffe bei Unternehmen vorab reservieren", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch in einer Videobotschaft. Demnach soll dies in Form von Abnahmegarantien für Impfstoffhersteller geschehen.

"Im Gegenzug für das Recht, innerhalb eines bestimmten Zeitraums eine bestimmte Anzahl von Impfstoffdosen kaufen zu können, wird die Kommission einen Teil der Vorlaufkosten der Impfstoffhersteller finanzieren", präzisierte die Behörde. Dabei handele es sich um Laboratorien mit Produktionskapazitäten in Europa, die bereits mit klinischen Studien begonnen hätten.

Die gezahlten Mittel sollen nach Angaben der Kommission als Anzahlung betrachtet werden und aus EU-Programmen und von der Europäischen Investitionsbank stammen. Für dieses Vorgehen habe sie am Freitag bei einer Videokonferenz der Gesundheitsminister grünes Licht von den Mitgliedstaaten erhalten, sagte von der Leyen weiter.

Nach AFP-Informationen waren allerdings nicht alle Minister uneingeschränkt überzeugt von dem Plan. Viele Regierungen hätten vor allem "Transparenz in Bezug auf die Verhandlungen, die Verwendung der Mittel und die Verteilung sicherer Impfstoffe" angemahnt, erklärte der Rat der Mitgliedstaaten.

Zudem soll sich diese Art der Zusammenarbeit von der Leyen zufolge nicht auf die EU beschränken. "Gemeinsam mit unseren internationalen Partnern werben wir dafür, dass eine erhebliche Anzahl von Ländern ihre Ressourcen bündelt", sagte die CDU-Politikerin. Bei der für den 27. Juni angesetzten Geberkonferenz für die Corona-Forschung werde sie dies weiterverfolgen.

Ziel sei es, dass Länder mit hohem Einkommen "den Kern für eine internationale Einkaufsallianz" bilden. Zum einen werde dies die Entwicklung von Impfstoffen beschleunigen und zum anderen den Zugang zu erschwinglichen Impfstoffen für "alle Menschen" sicherstellen.

Weltweit wird an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus gearbeitet. Es laufen auch bereits mit verschiedenen Impfstoffen Tests an Menschen.

In Deutschland haben bislang die Unternehmen CureVac und BioNTech aus Tübingen und Mainz Genehmigungen für klinische Studien mit einem potenziellen Corona-Impfstoff erhalten. Die Bundesregierung hatte Anfang der Woche bekanntgegeben, mit 23 Prozent der Firmenanteile bei CureVac einzusteigen, um sicherzustellen, dass ein Impfstoff Deutschland und Europa zur Verfügung gestellt werde.


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