13.06.2020, 11:38 Uhr

Peking (AFP) Teile von Peking wegen Dutzender neuer Corona-Fälle abgeriegelt

Infektionsfälle in Zusammenhang mit Fleischmarkt - Angst vor zweiter Welle

In Peking steigt die Angst vor einer zweiten Corona-Welle: Wegen Dutzender neuer Infektionsfälle haben die chinesischen Behörden Teile der Hauptstadt abgeriegelt. In elf Wohngebieten im südlichen Stadtteil Fengtai wurde den Bewohnern das Verlassen ihrer Wohnungen untersagt, wie Behördenvertreter am Samstag mitteilten. Die Neuinfektionen stehen demnach im Zusammenhang mit einem nahegelegenen Fleischgroßmarkt. Massentests wurden angeordnet. Auch neun Schulen und Kindergärten wurden wegen des neuen Krankheitsausbruchs geschlossen.

Beamte des Bezirks Fengtai erklärten am Samstag, dass der Bezirk einen "Kriegsmechanismus" und eine "Feldkommandozentrale" eingerichtet habe. Damit solle die neue Infektionswelle bekämpft werden. Sieben Neuinfektionen seien registriert worden, sagten die Behördenvertreter bei einer täglichen Pressekonferenz.

Wegen der Verbindung zum Xinfadi-Fleischmarkt hatten die Behörden am Freitag bereits fast 2000 Massentests bei Großmarktmitarbeitern durchgeführt. Mindestens 45 Menschen, die auf dem Fleischmarkt arbeiten, seien dabei positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden, erklärten die Behörden. Sie zeigten jedoch bislang keine Symptome und stünden unter medizinischer Beobachtung. Fälle, die ohne Krankheitsymptome verlaufen, werden in China nicht in der offiziellen Corona-Statistik geführt.

Die Behörden kündigten an, alle Menschen testen zu wollen, die seit dem 30. Mai "engen Kontakt" mit dem Xinfadi-Markt hatten. Außerdem wurde ein Arbeiter des Bauernmarktes im Bezirk Haidian im Nordwesten der Stadt positiv getestet.

Der Chef des Xinfadi-Fleischmarktes sagte der staatlichen Webseite Beijing News, das Virus sei auf Schneidebrettern nachgewiesen worden, auf denen importierter Lachs verarbeitet wurde. Wie die Zeitung "Beijing Daily" berichtete, nahmen große Supermarktketten wie Wumart und Carrefour in der Nacht zum Samstag sämtliche Lachsprodukte aus ihrem Sortiment.

Der Fleisch- sowie der Jingshen-Markt für Meeresfrüchte waren bereits am Freitag von den Behörden geschlossen worden. Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten von einem massiven Polizeiaufgebot vor den Einrichtungen. Den Xinfadi-Markt durfte niemand verlassen. Die Marktaufsichtsbehörden Pekings ordneten eine stadtweite Inspektion an, die sich auf frisches und gefrorenes Fleisch, Geflügel und Fisch in Supermärkten, Lagerhäusern sowie bei Catering-Diensten konzentrierte.

Am Donnerstag war in Peking erstmals seit zwei Monaten wieder ein Corona-Infektionsfall festgestellt worden. Bei dem Infizierten handelte es sich um einen Besucher des Xinfadi-Fleischmarktes, der in letzter Zeit nicht gereist war. Die Behörden entschieden wegen der neuen Fälle, die Grundschulen nicht wie geplant am Montag wieder zu öffnen. Zudem wurden alle Sportveranstaltungen vorerst abgesagt.

China, das als Ursprungsland des neuartigen Coronavirus gilt, hatte die Ausbreitung des Erregers Sars-CoV-2 nach offiziellen Angaben durch strikte Ausgangsbeschränkungen weitgehend unter Kontrolle gebracht. Bei der Mehrzahl der Fälle in den vergangenen Monaten handelte es sich demnach um Ausländer, die bei ihrer Rückkehr nach China positiv getestet wurden.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Erreger ursprünglich vom Tier auf den Menschen übergesprungen ist, möglicherweise auf einem Wildtiermarkt in der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan.


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