12.06.2020, 04:29 Uhr

Berlin (AFP) Berlin will Kampf gegen Kinderarbeit während EU-Ratspräsidentschaft voranbringen

Ein Kind verkauft Tee in Kabul.
Quelle: AFP/Archiv/FARSHAD USYAN (Foto: AFP/Archiv/FARSHAD USYAN)Ein Kind verkauft Tee in Kabul. Quelle: AFP/Archiv/FARSHAD USYAN (Foto: AFP/Archiv/FARSHAD USYAN)

Minister Müller will Grundlagen für europäisches Lieferkettengesetz schaffen

Die Bundesregierung will den Kampf gegen Kinderarbeit zu einem Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft machen. Im kommenden halben Jahr sollten die Grundlagen für ein europäisches Lieferkettengesetz geschaffen werden, das der Eindämmung der Ausbeutung von Kindern diene, sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) in einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zum Welttag gegen Kinderarbeit an diesem Freitag. Das Gesetz solle auch für faire Löhne für Eltern in armen Ländern sorgen.

Deutschland übernimmt am 1. Juli für ein halbes Jahr die Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union. Das Lieferkettengesetz, über das die Bundesregierung mit den EU-Partnern in diesem Zeitraum beraten will, soll große Unternehmen zur Wahrung von Menschenrechten bei ihren Produzenten und Zulieferern verpflichten.

Müller beklagte, dass durch die Corona-Krise massive Rückschritte im Kampf gegen die Ausbeutung von Kindern drohten. Die Pandemie habe in vielen Entwicklungsländern zu einer "dramatischen Hunger- und Wirtschaftskrise" geführt. 40 Millionen weitere Kinder könnten dieses Jahr in extreme Armut geraten.

Eine Folge davon sei, dass viele Kinder arbeiten müssten, damit die Familien überleben könnten, sagte der Minister. Wegen der Not vieler armer Familien und der Ausgangssperren würden auch mehr Kinder zu Opfern sexueller Ausbeutung.

Auch die UNO warnte am Freitag, dass durch die Corona-Pandemie die Kinderarbeit weltweit um Millionen weitere Minderjährige ansteigen könnte. Die Fortschritte der vergangenen Jahre im Kampf gegen die Kinderarbeit seien "heute in Gefahr", erklärten das UN-Kinderhilfswerk Unicef und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO).

In einer gemeinsamen Studie der beiden UN-Unterorganisationen wird auch gewarnt, die Corona-Krise könnte dazu führen, dass bereits arbeitende Minderjährige noch länger und unter noch schlechteren Bedingungen arbeiten müssten. Dem Report zufolge wurde die Zahl der weltweit arbeitenden Kinder seit dem Jahr 2000 um 94 Millionen reduziert.

dja


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