11.06.2020, 10:21 Uhr

Berlin (AFP) Schulze hofft auf Entlastung der Umwelt auch nach der Corona-Krise

Konferieren am Laptop.
Quelle: AFP/Archiv/Loic VENANCE (Foto: AFP/Archiv/Loic VENANCE)Konferieren am Laptop. Quelle: AFP/Archiv/Loic VENANCE (Foto: AFP/Archiv/Loic VENANCE)

Studie belegt deutlichen Rückgang des Verkehrs in der Pandemie

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hofft, dass die in der Corona-Krise vorangeschrittene Digitalisierung in der Arbeitswelt und im Privatleben dauerhaft zu einer Entlastung der Umwelt führt. Zwar wolle niemand, "dass das Leben auf Dauer so bleibt, wie es in der Pandemie war", sagte Schulze am Donnerstag bei der Vorstellung einer Studie zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Umwelt. "Aber manche neue Routine sollten wir uns erhalten, weil es Umwelt und Lebensqualität dient."

Deutschland habe während des Corona-Lockdowns "einen echten Digitalisierungsschub" erlebt, sagte die Umweltministerin. "Wir erleben in diesen Monaten der Pandemie einen Bruch mit vielen Routinen, die wir vor Corona hatten", sagte Schulze. Viele reisten weniger, verbringen mehr Zeit in Videokonferenzen oder kaufen häufiger online ein.

Der Personenverkehr ist durch die Corona-bedingten Einschränkungen deutlich zurückgegangen, wie es in einer Zwischenbilanz des Wuppertal Institut sowie der Wirtschaftsprüferfirma Ernst & Young heißt. Ein Viertel aller Arbeitnehmer arbeitete demnach zeitweise im Homeoffice.

In einer Umfrage erwarten jeweils rund ein Drittel der Befragten, dass Meetings auch in den kommenden Jahren durch Videokonferenzen ersetzt würden und dass weniger berufliche Reisen stattfinden würden.

Die Studienautoren gehen davon aus, dass sich der gesamte Personenverkehr um bis zu acht Prozent reduzieren lasse, wenn Homeoffice und virtuelle Arbeitsformen gefördert werden.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist das Wachstum beim Online-Shopping. Umfragen zeigen zwar ein erhöhtes Interesse an regionalen Produkten. Allerdings fehle hier noch häufig der Zugang. Die Studienautoren sehen daher ein Potenzial in der Förderung regionaler digitaler Plattformen.

Analog zum Rückgang des Verkehrs ist das Datenvolumen während der Corona-Zeit um rund zehn Prozent angestiegen - getrieben vor allem durch Streaming und Videokonferenzen. Ohne flankierende Maßnahmen dürfte dieser Anstieg auch zu einem höheren Energieverbrauch führen, warnen die Autoren der Studie.

Der Energieverbrauch des Internets habe in den vergangenen Jahren konstant zugenommen, in der Regel konstant, sagte Holger Berg vom Wuppertal Institut. Eine Videokonferenz sei aber immer noch günstiger, als wenn fünf oder sechs mit dem Auto zu einem Treffen fahren. Bei den Videokonferenz gab es den Studienautoren durch die Corona-Krise einen Anstieg um 120 Prozent.

Schulze verwies in diesem Zusammenhang auf das von ihr vorgeschlagene Investitionsprogramm "Green Cloud". Ziel ist der Ausbau von energieeffizienten und besonders klimafreundlichen Cloud-Infrastrukturen für Verwaltungen, den Bildungsbereich und Unternehmen.


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