10.06.2020, 13:34 Uhr

Berlin (AFP) Grüne fordern milliardenschweren Bildungsfonds für Schulen und Kitas

Schule unter Corona-Bedingungen in Dortmund.
Quelle: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER (Foto: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER)Schule unter Corona-Bedingungen in Dortmund. Quelle: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER (Foto: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER)

Baerbock kritisiert "wahnsinnige Zersplitterung" bei Rückkehr zu Regelbetrieb

Die Grünen fordern Milliardeninvestitionen und bundesweit einheitliche Leitlinien für die Rückkehr zum Regelbetrieb in Schulen und Kitas. Grünen-Chefin Annalena Baerbock schlug am Mittwoch einen fünf Milliarden Euro schweren Bildungsfonds vor, um zusätzliche Kräfte für Schulen und Kitas zu finanzieren. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Stefanie Hubig (SPD), bekräftigte den Plan, nach den Sommerferien zum Regelbetrieb in den Schulen zurückzukehren. Die Gewerkschaften sehen dies angesichts der Infektionsgefahr mit großer Sorge.

Baerbock sagte nach einem von ihrer Partei einberufenen "Kita- und Schulgipfel" mit Verbandsvertretern und Experten, neben dem Bildungsfonds müssten unverzüglich 500 Millionen Euro aus dem Digitalpakt an die Bildungseinrichtungen fließen, um die Möglichkeiten für digitalen Unterricht auszubauen.

Die Grünen-Chefin kritisierte eine "wahnsinnige Zersplitterung in den Bundesländern". Trotz der grundsätzlichen Länderzuständigkeit in dem Bereich bedürfe es "gemeinsamer Leitlinien, wie wir zum Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen zurückkehren". Ziel müsse sein, dass nach den Sommerferien jedes Kind "einen Anspruch auf Mindestbetreuung in Schulen und Kitas hat".

Um den erhöhten Personalbedarf an den Einrichtungen decken zu können, sollten auch Lehramtsstudenten für den Unterricht herangezogen werden, sagte Baerbock. Zudem solle das freiwillige soziale Jahr ausgebaut werden. Es sei "definitiv nötig", dass auf Bundesebene noch vor dem Sommer gehandelt werde.

KMK-Präsidentin Hubig sagte im ARD-"Morgenmagazin", nächste Woche solle darüber beraten werden, wie das kommende Schuljahr aussehen könne. Eltern mit Kita- und Schulkindern seien in den vergangenen Wochen an ihre Grenzen gekommen, sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin.

Wegen der Corona-Pandemie waren die Schulen seit Mitte März bundesweit geschlossen. Seit Anfang Mai findet zwar wieder Präsenzunterricht statt, jedoch in stark eingeschränktem Umfang. Viele Kinder können nur tage- oder wochenweise in die Schule gehen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte davor, an den Schulen Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsrisikos aufzugeben. "Wir brauchen endlich einen runden Tisch, an dem Politik, Gewerkschaften, Eltern- und Schülervertretungen sowie Mediziner zusammenkommen", forderte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann. Dort müssten Lösungen gefunden werden, "die die Interessen aller an Schule Beteiligten berücksichtigen".

Aus Sicht der GEW geht es jetzt darum, pädagogische Konzepte zu entwickeln und die technischen Voraussetzungen zu schaffen, um nach den Sommerferien einen "Mix aus Präsenz- und Fernunterricht" anzubieten.

Kritik an der geplanten vollständigen Wiederaufnahme des Schulbetriebs übte auch die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). "Die Kultusminister verlieren offenbar unter dem großen öffentlichen Druck die Nerven", erklärte Hannack in Berlin. Sie wollten "kopflos und ohne Abstandsregeln die Schulen in den Normalbetrieb schicken". Die Öffnung dürfe "auf keinen Fall unter Verzicht auf Arbeitsschutz und Hygienestandards erfolgen", so Hannack. "Sonst droht ein ungeplanter zweiter Lockdown im Herbst."

Der Bundeselternrat forderte derweil Lehrerfortbildungen in den Sommerferien. Verbandschef Stephan Wassmuth sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Mittwoch, dies sei "unumgänglich, um Präsenzunterricht, wenn nötig, durch qualifizierten Fernunterricht zu ergänzen." Gleichzeitig müssten die Schüler ausreichend mit Internetzugängen und Endgeräten versorgt werden. Es gehe nicht nur darum, auf eine mögliche zweite Corona-Welle vorbereitet zu sein: "Es gilt, grundsätzlich die Defizite der letzten Jahre aufzuarbeiten und moderne Unterrichtskonzepte umzusetzen."


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