10.06.2020, 11:58 Uhr

Paris (AFP) OECD rechnet mit Einbruch der Weltwirtschaft von bis zu 7,6 Prozent

Experten sehen Lage in Deutschland pessimistischer als Bundesregierung

Wegen der Coronavirus-Pandemie rechnet die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in diesem Jahr mit einem Einbruch der Weltwirtschaft von bis zu 7,6 Prozent. Die Organisation sprach am Mittwoch von der "schwersten Gesundheits- und Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg". Die Lage in Deutschland bewerten die Experten pessimistischer als die Bundesregierung.

"Wenn die Pandemie nicht eingedämmt werden kann, wird es auch keine robuste wirtschaftliche Erholung geben", warnte OECD-Generalsekretär José Angel Gurría bei der Vorstellung der Frühjahrsprognose in Paris. Die OECD rechnete für ihre Studie zwei Szenarien durch: Im ersten bleibt die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus "unter Kontrolle", im zweiten gibt es eine zweite Infektionswelle. Bei einer kontrollierten Ausbreitung dürfte die Weltwirtschaft demnach in diesem Jahr um sechs Prozent schrumpfen, im schlimmsten Fall sogar um 7,6 Prozent. Die OECD sprach von einem "Drahtseilakt".

Besonders stark getroffen ist laut der Organisation die Eurozone: Bestenfalls dürfte die Wirtschaft hier um 9,1 Prozent schrumpfen, schlimmstenfalls um 11,5 Prozent. Besonders düster bewertet die OECD die Lage in Spanien, Frankreich, Italien und Großbritannien, wo es besonders viele Todesfälle gab.

Das vom Export abhängige Deutschland steht mit einem Minus von 6,6 bis 8,8 Prozent zwar noch vergleichsweise gut da. Die Bundesregierung rechnet aber bisher nur mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6,3 Prozent und sieht die Lage damit optimistischer.

Die USA sind der Prognose zufolge deutlich härter von der Pandemie getroffen als China, wo das Virus zuerst auftauchte. Die US-Wirtschaft könnte in diesem Jahr um bis zu 8,5 Prozent schrumpfen, die chinesische dagegen nur um maximal 3,7 Prozent.

Für das kommende Jahr erwarten die OECD-Ökonomen dann eine mehr oder weniger deutliche Erholung mit einem weltweiten Wirtschaftswachstum zwischen 2,8 und 5,2 Prozent. Die optimistische Annahme setzt voraus, dass die Pandemie bis dahin unter Kontrolle ist, weil etwa ein Impfstoff gefunden wurde. Für Deutschland erwarten die Ökonomen 2021 ein Wachstum in einer Spanne von 1,7 bis 5,8 Prozent.

OECD-Generalsekretär Gurría hatte im März "weltweite Anstrengungen vergleichbar mit dem Marshall-Plan und dem New Deal zusammen" gefordert, um der Krise zu begegnen. Nun äußerte sich die Organisation lobend über die Konjunkturpläne vieler Regierungen. Vieles hänge aber auch vom Verhalten der verunsicherten Verbraucher und dem Wiederaufbau unterbrochener Handelsbeziehungen ab. Der OECD gehören 38 Industrie- und Schwellenländer an, darunter neben den meisten EU-Staaten auch die USA und Japan.


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