10.06.2020, 09:50 Uhr

Stockholm (AFP) Schwedische Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen zum Mord an Olof Palme ein

Olof Palme.
Quelle: TT News Agency/AFP/Archiv/Tobbe Gustavsson/TT (Foto: TT News Agency/AFP/Archiv/Tobbe Gustavsson/TT)Olof Palme. Quelle: TT News Agency/AFP/Archiv/Tobbe Gustavsson/TT (Foto: TT News Agency/AFP/Archiv/Tobbe Gustavsson/TT)

Ermittler identifizieren verstorbenen Verdächtigen als mutmaßlichen Täter

Mehr als 34 Jahre nach dem Mord an dem damaligen schwedischen Regierungschef Olof Palme hat die Staatsanwaltschaft einen Hauptverdächtigen identifiziert - trotzdem werden die Ermittlungen in dem Fall eingestellt. Als mutmaßlicher Täter sei der Schwede Stig Engström ausgemacht worden, sagte der leitende Staatsanwalt Krister Petersson am Mittwoch. Da der von den Medien als "Skandia-Mann" bezeichnete Engström inzwischen gestorben ist, werde der Fall geschlossen.

"Wir kommen nicht um eine bestimmte Person als Täter herum - es ist Stig Engström", sagte Petersson bei einer Pressekonferenz. Der Schwede war schon früh in den Ermittlungen als Zeuge befragt worden, da er sich am Abend der Tat am 28. Februar 1986 im Skandia-Gebäude in der Nähe des Tatorts aufgehalten hatte. Doch die Polizei hielt seine Aussage damals für unglaubwürdig, da Engström seine Geschichte mehrmals änderte.

Die Medien mutmaßten im Laufe der Jahre, dass seine Geschichte änderte, um seine Rolle als Schütze zu vertuschen. Engström starb im Jahr 2000 im Alter von 66 Jahren. Der Schwede war ein Gegner von Palmes linksgerichteter Politik.

Der charismatische Palme war am Abend des 28. Februar 1986 mit zwei gezielten Schüssen in den Rücken aus nächster Nähe niedergestreckt worden, als er mit seiner Frau nach einem Kinobesuch ohne Polizeischutz auf dem Weg nach Hause war. Im Juli 1989 wurde ein drogenabhängiger Kleinkrimineller als Täter verurteilt, nachdem Palmes Witwe ihn in einer weithin kritisierten Gegenüberstellung identifiziert hatte. Wenig später wurde der Mann wegen eines Formfehlers freigesprochen und starb im Jahr 2004.

Seitdem gingen hunderttausende Hinweise bei den Ermittlern ein, mehr als zehntausend Menschen wurden befragt, 134 gestanden die Tat. Immer neue Spekulationen über mögliche Hintermänner machten die Runde. So wurden unter anderem die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die schwedische Armee und Polizei oder der südafrikanische Geheimdienst verdächtigt, da der Sozialdemokrat Palme der Apartheidpolitik des Landes kritisch gegenüberstand.

Verhaftet wurde allerdings niemand mehr. Auch die Tatwaffe wurde nie gefunden. Die Akten zu dem Fall nehmen 250 Regalmeter ein.


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